GasanalytikFachartikel

    Spezialverfahren der Gasanalytik — CRDS, QCL, PAS und IMS

    Kategorie: Gasanalytik | Spurenanalytik | Prozessanalytik | Reingas | PAT
    Autor: Dusko Kadijevic, Publisher Analytic Journal
    Zuletzt aktualisiert: Mai 2026
    Lesezeit: ca. 10 Minuten
    Zielgruppe: Prozessingenieure, PAT-Spezialisten, Analytiker in Halbleiter-, Pharma-, Chemie- und Reingas-Industrie


    Definition

    Spezialverfahren der Gasanalytik bezeichnen Messprinzipien die fĂŒr Spurenkonzentrationen im ppb- bis ppt-Bereich, fĂŒr besonders aggressive Messgase, fĂŒr Reingas-QualitĂ€tskontrolle oder fĂŒr Sicherheitsanwendungen mit höchsten Anforderungen an SelektivitĂ€t und Empfindlichkeit eingesetzt werden. Sie ergĂ€nzen die etablierten Standardverfahren — NDIR, TDLS, Paramagnetisch, GC — dort wo diese an ihre physikalischen oder praktischen Grenzen stoßen.

    Die vier wichtigsten Spezialverfahren: CRDS (Cavity Ring-Down Spectroscopy), QCL (Quantum Cascade Laser Spectroscopy), PAS (Photoakustische Spektroskopie) und IMS (IonenmobilitÀtsspektrometrie).


    Warum Spezialverfahren?

    Standardverfahren sind fĂŒr die Mehrzahl industrieller Messaufgaben ausreichend. Spezialverfahren werden notwendig wenn:

    • Konzentrationen im sub-ppm- bis ppt-Bereich gemessen werden mĂŒssen
    • Das Messgas so aggressiv ist dass konventionelle Sensoren zerstört werden
    • Absolute Messgenauigkeit ohne Kalibriergas gefordert ist
    • Schnellste Reaktionszeiten bei mobilen oder automatisierten Anwendungen benötigt werden
    • Feldmessungen ohne Laborinfrastruktur erforderlich sind

    CRDS — Cavity Ring-Down Spectroscopy

    Messprinzip

    CRDS ist ein optisches Absorptionsverfahren das eine fundamentale physikalische Besonderheit nutzt: Statt die AbschwÀchung eines Lichtstrahls durch das Messgas zu messen, misst CRDS die Zerfallszeit (Ring-Down-Zeit) eines Lichtpulses in einem optischen Resonator aus zwei hochreflektierenden Spiegeln.

    Ein kurzer Laserpuls wird in den Resonator eingekoppelt. Das Licht springt zwischen den Spiegeln hin und her — tausende Male — und verliert dabei bei jedem Durchgang einen kleinen Anteil durch Spiegel-Transmission und Gasabsorption. Die Zeit bis das Signal auf einen definierten Bruchteil abgefallen ist (die Ring-Down-Zeit), ist direkt mit der Gaskonzentration verknĂŒpft.

    Der entscheidende Vorteil: Da die Ring-Down-Zeit eine absolute zeitliche MessgrĂ¶ĂŸe ist, braucht CRDS kein Referenzgas zur Kalibrierung. Das Verfahren ist selbstkalibrierend — ein erheblicher praktischer Vorteil in Anwendungen wo Kalibiergase schwer verfĂŒgbar oder teuer sind.

    StÀrken

    Nachweisgrenzen im ppt-Bereich (10⁻ÂčÂČ), absolutes Messprinzip ohne Kalibriergas, sehr hohe LangzeitstabilitĂ€t, geringe Querempfindlichkeit durch schmalbandige Laserlichtquellen.

    Grenzen

    Hochreflektierende Spiegel sind empfindlich — Verschmutzung oder Ablagerungen verkĂŒrzen die Ring-Down-Zeit und tĂ€uschen höhere Konzentrationen vor. Das ist die kritische Schwachstelle fĂŒr Prozessanwendungen mit partikelbeladenen oder kondensierenden Gasen. Aus diesem Grund wird CRDS in der Prozessindustrie fast ausschließlich extraktiv mit sorgfĂ€ltiger Probenaufbereitung eingesetzt — nicht in-situ.

    Typische Anwendungen

    • H₂O in Reinstgasen (Halbleiterindustrie, Edelgasproduktion) im ppt-Bereich
    • CO, CO₂, CH₄ in AtmosphĂ€renforschung und Klimamonitoring
    • Reinheitskontrolle von Prozessgasen in der Elektronikfertigung

    Praxishinweis aus dem Feld — CRDS fĂŒr H₂O in HCl-Gas: In einer Anlage wurde H₂O in HCl-Gas im Konzentrationsbereich von 200–600 ppb mit CRDS gemessen. Die Empfindlichkeit von CRDS war fĂŒr diese Aufgabe ideal. Da HCl extrem aggressiv ist und die empfindlichen Resonatorspiegel sofort zerstören wĂŒrde, wurde eine Online-Messung mit sorgfĂ€ltiger Probenaufbereitung aufgebaut — elektropolierte Leitungen, um Wandadsorptionseffekte zu minimieren. Trotz dieser Maßnahmen zeigte sich ein deutlicher Memory-Effekt: Die gemessene H₂O-Konzentration reagierte trĂ€ge auf echte KonzentrationsĂ€nderungen — die LeitungswĂ€nde adsorbierten und desorbierten H₂O langsam, was zu einem Tag-Nacht-Gang in den Messwerten fĂŒhrte. Die Lösung war eine Beheizung der Probenleitung auf eine konstante Temperatur — dadurch wurden die Adsorptionsgleichgewichte stabilisiert und der Memory-Effekt eliminiert. Die Lektion: Bei Spurenmessungen im ppb-Bereich ist die Probenleitung genauso Teil des Messsystems wie der Analysator selbst.


    QCL — Quantum Cascade Laser Spectroscopy

    Messprinzip

    QCL ist ein Laserspektroskopie-Verfahren das im mittleren Infrarot (MIR) arbeitet — typischerweise im WellenlĂ€ngenbereich von 3 bis 15 ”m. Das ist der Bereich der sogenannten Grundschwingungen von GasmolekĂŒlen — die physikalisch stĂ€rksten und charakteristischsten Absorptionslinien der meisten Verbindungen.

    Zum Vergleich: TDLS arbeitet im Nahinfrarot (NIR) und erfasst Obertöne — deutlich schwĂ€chere ÜbergĂ€nge. QCL erfasst die FundamentalĂŒbergĂ€nge direkt. Das ergibt eine erheblich höhere SignalstĂ€rke und damit potenzielle Empfindlichkeit gegenĂŒber TDLS.

    Warum QCL noch nicht so verbreitet ist wie TDLS:

    QCL-Laser mĂŒssen je nach WellenlĂ€nge gekĂŒhlt werden — nicht alle WellenlĂ€ngen sind bei Raumtemperatur stabil betreibbar. Die Herstellungskosten fĂŒr QCL-Laser sind höher als fĂŒr NIR-Diodenlaser. Die Detektoren fĂŒr den MIR-Bereich sind aufwendiger. Hybride Systeme die QCL und TDLS kombinieren gewinnen aber an Bedeutung — besonders fĂŒr Multikomponentenmessungen bei höchster Empfindlichkeit.

    StÀrken

    Sehr hohe SignalintensitĂ€t durch FundamentalĂŒbergĂ€nge, breites Spektrum abdeckbar, hervorragend fĂŒr MolekĂŒle die im NIR schwache Signale zeigen (z.B. N₂O, SO₂, viele organische Verbindungen), zunehmend bei Raumtemperatur betreibbar durch Weiterentwicklungen.

    Grenzen

    Höhere Systemkosten als NIR-TDLS, teils KĂŒhlung erforderlich, noch begrenztere Felddatenbasis als TDLS fĂŒr SIL-Anwendungen, Etalon-Effekte können im MIR stĂ€rker ausgeprĂ€gt sein.

    Typische Anwendungen

    • N₂O-Messung in der Pharmaindustrie und AnĂ€sthesie
    • SO₂, NO, NO₂ in CEMS-Anwendungen mit höchster Empfindlichkeit
    • Fugitive Emissions-Monitoring in Öl- und Gasanlagen (CH₄, VOC)
    • SchiffsabgasĂŒberwachung — QCL gewinnt Bedeutung fĂŒr die kontinuierliche Überwachung von SO₂ und NOₓ in Schiffsabgasen, da die IMO-Schwefelgrenzwerte (MARPOL Annex VI) strenge Anforderungen an EmissionsĂŒberwachung stellen
    • Organische Spurenverbindungen in Prozessgasen
    • Hybride QCL/TDLS-Systeme fĂŒr Mehrkomponentenmessungen

    PAS — Photoakustische Spektroskopie

    Messprinzip

    PAS nutzt einen anderen physikalischen Effekt als klassische optische Absorptionsmessung. Moduliertes Licht wird vom Messgas absorbiert. Die absorbierten Photonen werden in WĂ€rme umgewandelt — und diese periodische ErwĂ€rmung erzeugt Druckwellen die mit einem Mikrofon als Schallsignal detektiert werden. Das Messsignal ist proportional zur Gaskonzentration.

    Der besondere Vorteil von PAS: Das Signal entsteht nur dort wo das Licht absorbiert wird — nicht absorbierende Hintergrundgase erzeugen kein Signal. PAS ist damit sehr selektiv und eignet sich gut fĂŒr kompakte, robuste Systeme.

    StÀrken

    Kompaktes Systemdesign möglich, kein aufwendiger optischer Aufbau mit Referenzstrahlengang, sehr empfindlich im ppm- bis ppb-Bereich, geringer Wartungsaufwand, gut fĂŒr tragbare oder automatisierte Systeme.

    Grenzen

    UmgebungsgerĂ€usche können die Messung stören — PAS misst akustisch und ist damit gegenĂŒber Vibrationen und LĂ€rm empfindlich. Nicht geeignet fĂŒr Hochdruckanwendungen ohne Anpassung. Querempfindlichkeiten durch andere absorbierende Gase im Spektralbereich des eingesetzten Lasers.

    Typische Anwendungen

    • Reingas-QualitĂ€tskontrolle in Luftzerlegungsanlagen
    • SF₆-Leckagemessung in elektrischen Anlagen
    • CO₂-Messung in GewĂ€chshĂ€usern und GebĂ€uden
    • Feuchtemessung in kritischen Prozessen

    Praxishinweis aus dem Feld — PAS in der automatisierten Luftzerlegungsanalytik: In einer Luftzerlegungsanlage wird beim Betanken von Fahrzeugen mit Gasen — etwa FlĂŒssigstickstoff oder Sauerstoff — automatisch eine Analyse der TankfĂŒllung durchgefĂŒhrt. Das Analysezertifikat wird dem Fahrer ohne Personaleinsatz automatisch bereitgestellt. PAS ermöglicht genau diese Art von automatisierter, wartungsarmer Inline-Analytik: kompakt, zuverlĂ€ssig, ohne dauerhaften Personaleinsatz. Die gesamte Prozesskette — BefĂŒllung, Analyse, Zertifikaterstellung — lĂ€uft vollautomatisch.


    IMS — IonenmobilitĂ€tsspektrometrie

    Messprinzip

    IMS ionisiert GasmolekĂŒle und trennt die erzeugten Ionen nach ihrer Beweglichkeit (MobilitĂ€t) in einem elektrischen Feld. Verschiedene MolekĂŒle haben charakteristische MobilitĂ€tswerte — das ist das "Fingerabdruck"-Signal fĂŒr die Identifikation. IMS arbeitet bei AtmosphĂ€rendruck und liefert Ergebnisse in Sekunden bis Millisekunden.

    IMS ist extrem empfindlich — Nachweisgrenzen im ppt-Bereich sind möglich. Die Technologie ist vor allem aus der Sicherheitstechnik bekannt (Sprengstoffdetektion an FlughĂ€fen), gewinnt aber zunehmend Bedeutung fĂŒr industrielle Spurengasanalytik und QualitĂ€tskontrolle in der Pharmaproduktion.

    StÀrken

    Sehr hohe Empfindlichkeit (ppt-Bereich), sehr schnelle Antwortzeiten (Sekunden bis Millisekunden), kompakte und portable Systeme verfĂŒgbar, kein TrĂ€gergas erforderlich, gut fĂŒr Feldanwendungen ohne Laborinfrastruktur.

    Grenzen

    Querempfindlichkeiten sind die grĂ¶ĂŸte Herausforderung — IMS trennt nach MobilitĂ€t, und verschiedene Verbindungen können Ă€hnliche MobilitĂ€tswerte haben. In komplexen Gasmatrizen kann die Identifikation unsicher werden. Hohe Luftfeuchtigkeit beeinflusst die Ionisierung und kann die SelektivitĂ€t reduzieren. FĂŒr quantitative Messungen in komplexen Matrices ist IMS anspruchsvoller als andere Verfahren.

    Typische Anwendungen

    • Sprengstoff- und Drogenanalytik in der Sicherheitstechnik (FlughĂ€fen, Behörden)
    • Kampfstoffdetektion — IMS ist ein etabliertes Verfahren in der militĂ€rischen AufklĂ€rung und beim ABC-Schutz, unter anderem bei der Bundeswehr, zur schnellen Detektion chemischer Kampfstoffe im Feld
    • Leckage-Detektion in der chemischen Industrie (flĂŒchtige organische Verbindungen)
    • Kontaminationserkennung in ReinrĂ€umen (Pharma, Halbleiter)
    • Atemgasanalytik in medizinischen Anwendungen

    Praxishinweis aus dem Feld — IMS-HandgerĂ€t fĂŒr DMS-Leckage: In einer Anlage wurde ein IMS-HandgerĂ€t zur schnellen Detektion von DMS (Dimethylsulfat, ein Methylierungsmittel) eingesetzt um Leckagen in der Anlage schnell aufzuspĂŒren. Die Empfindlichkeit war beeindruckend — kleinste Leckagen wurden schnell lokalisiert. Die Erfahrung zeigte aber auch die Querempfindlichkeits-Problematik: IMS reagierte auf mehrere Verbindungen Ă€hnlich. Eine eindeutige Identifikation erforderte Erfahrung und Kontext. FĂŒr die Leckagesuche in einer bekannten Anlage mit einem definierten Stoff war das GerĂ€t sehr nĂŒtzlich — fĂŒr die Identifikation unbekannter Substanzen wĂ€re es zu unsicher.


    Vergleichsmatrix der Spezialverfahren

    MerkmalCRDSQCLPASIMS
    Nachweisgrenzepptppb–pptppb–ppmppt
    SelektivitÀtSehr hochSehr hochHochMittel (Querempfindlichkeiten)
    Kalibriergas erforderlichNein (absolut)JaJaJa
    KompaktheitMittelMittelHochSehr hoch (portabel)
    In-situ-FĂ€higkeitNein (extraktiv)BedingtBedingtNein (extraktiv/portabel)
    Robustheit ProzessumgebungGering (Spiegel empfindlich)MittelMittelMittel
    KostenHochSehr hochMittelMittel
    Typischer EinsatzbereichReingas, AtmosphÀreCEMS, Spurengas, ProzessKompakte Systeme, AutomatisierungSicherheit, Leckage, Feld

    Welches Verfahren fĂŒr welchen Kontext?

    Die vier Spezialverfahren sind so unterschiedlich in ihrer Grundlogik dass ein direkter Vergleich in einer einzigen Matrix irrefĂŒhrend wĂ€re. Die richtige Frage ist nicht "welches ist besser" — sondern welches fĂŒr den jeweiligen Kontext konzipiert wurde.

    VerfahrenTypischer KontextKern-StÀrkeTypische EinschrÀnkung
    CRDSReingas-QualitĂ€tskontrolle, AtmosphĂ€renforschung, aggressive Gase im ppb/ppt-BereichAbsolutes Messprinzip ohne Kalibriergas, höchste EmpfindlichkeitSpiegel empfindlich — nur extraktiv mit sorgfĂ€ltiger Probenaufbereitung
    QCLCEMS mit höchster Empfindlichkeit, Schiffsabgase, fugitive Emissions-Monitoring, MultikomponentStarke FundamentalĂŒbergĂ€nge im MIR — empfindlicher als NIR-TDLSHöhere Kosten, teils KĂŒhlung erforderlich, noch begrenzte Felddatenbasis
    PASAutomatisierte Reingas-Zertifizierung, SF₆-Leckage, kompakte DauerbetriebssystemeKompakt, wartungsarm, gut fĂŒr autonomen DauerbetriebEmpfindlich gegenĂŒber Vibrationen und UmgebungsgerĂ€uschen
    IMSSchnelle Feldmessung, Leckagesuche, Sicherheitstechnik, KampfstoffdetektionPortabel, sehr schnell, ppt-Empfindlichkeit ohne LaborinfrastrukturQuerempfindlichkeiten erschweren Identifikation in komplexen Matrices

    Praktische Entscheidungslogik:

    • Spurenmessung im ppb/ppt-Bereich mit absolutem Messprinzip → CRDS
    • Höchste Empfindlichkeit fĂŒr StandardmolekĂŒle in CEMS oder Prozess → QCL
    • Autonomer Dauerbetrieb ohne Personal, kompaktes System → PAS
    • Schnelle Detektion im Feld, bekannter Stoff, portable Lösung → IMS

    Abgrenzung zu Standardverfahren

    Wenn...Dann SpezialverfahrenStandardverfahren ausreichend
    Konzentration < 1 ppmCRDS, QCL, IMS—
    Absolutes Messprinzip ohne KalibriergasCRDS—
    Aggressives Gas zerstört KontaktsensorenCRDS (extraktiv mit Aufbereitung)TDLS (in-situ)
    Mobiler Einsatz ohne LaborinfrastrukturIMS, PAS—
    Automatisierte Reingas-ZertifizierungPAS—
    Konzentration > 1 ppm, Standardmatrix—NDIR, TDLS, Paramagnetisch, GC

    Normen und regulatorische Grundlagen

    Norm / RichtlinieRelevanz
    ISO 14687WasserstoffqualitĂ€t fĂŒr Brennstoffzellenanwendungen — CRDS und QCL als Analysemethoden
    ASTM D7607Feuchtemessung in Gasen — relevant fĂŒr CRDS-Anwendungen
    EN 15267Zertifizierung automatischer Messeinrichtungen — anwendbar wenn CRDS/QCL/PAS fĂŒr CEMS eingesetzt
    IEC 62396Prozessanalysatoren — allgemeine Anforderungen
    NAMUR NE 107SelbstĂŒberwachung und Diagnose von FeldgerĂ€ten

    F&A — HĂ€ufig gestellte Fragen

    Was ist der Unterschied zwischen CRDS und TDLS?
    Beide sind optische Absorptionsverfahren mit Laserlichtquellen. TDLS misst die direkte AbschwĂ€chung des Laserlichts beim Durchgang durch das Gas — und braucht dafĂŒr ein Referenzgas zur Kalibrierung. CRDS misst die Zerfallszeit eines Lichtpulses in einem Resonator — das ist ein absolutes Messprinzip ohne Kalibriergas. CRDS erreicht erheblich niedrigere Nachweisgrenzen (ppt statt ppb), ist aber durch die empfindlichen Resonatorspiegel weniger robust fĂŒr raue Prozessumgebungen.

    Warum ist QCL empfindlicher als TDLS?
    TDLS arbeitet im Nahinfrarot (NIR) und erfasst Obertöne von MolekĂŒlschwingungen — physikalisch schwĂ€chere ÜbergĂ€nge. QCL arbeitet im mittleren Infrarot (MIR) und erfasst die Grundschwingungen — die physikalisch stĂ€rksten AbsorptionsĂŒbergĂ€nge der meisten MolekĂŒle. Das ergibt erheblich stĂ€rkere Absorptionssignale und damit potenziell niedrigere Nachweisgrenzen.

    Was ist der Memory-Effekt und warum ist er bei Spurenmessungen kritisch?
    Der Memory-Effekt bezeichnet die Adsorption und verzögerte Desorption von GasmolekĂŒlen an LeitungswĂ€nden und OberflĂ€chen der Probenaufbereitung. Bei Spurenmessungen im ppb-Bereich können selbst elektropolierte Edelstahlleitungen so viel H₂O oder andere polare Verbindungen zwischenspeichern, dass die Messung trĂ€ge reagiert und einen scheinbaren Tag-Nacht-Gang zeigt. Die Lösung ist hĂ€ufig eine Beheizung der Probenleitung auf eine definierte Temperatur, um die Adsorptionsgleichgewichte zu stabilisieren.

    Wann ist IMS trotz Querempfindlichkeiten sinnvoll?
    IMS ist sinnvoll wenn es darum geht, einen bekannten Stoff in einer bekannten Umgebung schnell und empfindlich zu detektieren — ohne vollstĂ€ndige Identifikation oder Quantifizierung zu benötigen. FĂŒr die Leckagesuche in einer bekannten Anlage mit einem definierten Stoff, fĂŒr die Sprengstoffanalytik an FlughĂ€fen oder fĂŒr Kontaminationsscreening in ReinrĂ€umen ist IMS ideal. FĂŒr die Identifikation unbekannter Substanzen in komplexen Matrices ist IMS weniger geeignet.

    Kann PAS fĂŒr kontinuierliche ProzessĂŒberwachung eingesetzt werden?
    Ja — PAS eignet sich gut fĂŒr kontinuierliche, automatisierte ProzessĂŒberwachung wenn Vibrationen und UmgebungsgerĂ€usche kontrolliert sind. In kompakten, gut abgeschirmten Systemen liefert PAS sehr stabile Langzeitmessungen. Die automatisierte Reingas-Zertifizierung beim Betanken von Fahrzeugen ist ein gutes Beispiel fĂŒr den erfolgreichen Dauerbetrieb ohne Personaleinsatz.

    Welches Spezialverfahren eignet sich fĂŒr H₂O in aggressiven Gasen?
    CRDS ist das bevorzugte Verfahren fĂŒr H₂O-Spurenmessungen in aggressiven Gasen wie HCl oder Cl₂ — weil der Sensor nicht in Kontakt mit dem Gas kommt und weil die Empfindlichkeit im ppt-bis-ppb-Bereich ideal fĂŒr diese Aufgabe ist. Die kritische Herausforderung ist die Probenaufbereitung: beheizte Leitungen, elektropolierte OberflĂ€chen und sorgfĂ€ltige Konditionierung sind unerlĂ€sslich um den Memory-Effekt zu beherrschen.


    Was dieser Artikel bewusst nicht behandelt

    CRDS fĂŒr atmosphĂ€rische Messungen und Klimaforschung

    CRDS ist in der AtmosphĂ€renforschung und im Klimamonitoring (CO₂, CH₄, N₂O, ÎŽÂčÂłC) weit verbreitet. Diese Anwendungen unterscheiden sich erheblich von Prozessanalytik-Anwendungen und werden in einem separaten Kontext behandelt.


    Weitere Spezialverfahren

    SIFT-MS (Selected Ion Flow Tube Mass Spectrometry), FAIMS (Field Asymmetric Ion Mobility Spectrometry) und weitere Spezialtechniken fĂŒr Atemgasanalytik, Lebensmittelkontrolle und Forschungsanwendungen werden in diesem Überblick nicht behandelt.


    Fazit

    Spezialverfahren der Gasanalytik lösen Messaufgaben die mit Standardverfahren nicht oder nicht ausreichend beherrschbar sind — vor allem im Spurenkonzentrationsbereich, bei aggressiven Medien und in automatisierten Anwendungen ohne Laborinfrastruktur.

    CRDS ist das Verfahren der Wahl wenn absolute Genauigkeit ohne Kalibriergas bei höchster Empfindlichkeit gefordert ist. QCL erschließt den mittleren Infrarotbereich mit seinen starken FundamentalĂŒbergĂ€ngen. PAS ermöglicht kompakte, automatisierte Systeme fĂŒr Dauerbetrieb. IMS liefert schnellste Antworten im Feld bei einfacher Handhabung — mit der EinschrĂ€nkung dass Querempfindlichkeiten die Interpretation in komplexen Matrices erschweren.

    Die praktischen Herausforderungen liegen weniger im Messprinzip selbst als in der Probenaufbereitung und Systemintegration — wie der Memory-Effekt bei H₂O-Spurenmessungen und die Spiegelempfindlichkeit bei CRDS zeigen.


    Analytic Journal — Das Portal der Prozessanalytik
    Dusko Kadijevic | DK Consulting | Publisher Analytic Journal | analyticjournal.de | +491733129816
    Verfasst Mai 2026. Alle Inhalte in eigenen Worten — keine Reproduktion aus Normen oder Herstellerunterlagen.


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    Redaktioneller Hinweis

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    Autor: Dusko Kadijevic — 20 Jahre Erfahrung als PAT-Anwender in der Prozessindustrie