Kategorie: Prozessanalytik | Messtechnik | PAT-Grundlagen
Autor: Dusko Kadijevic, Publisher Analytic Journal
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026
Lesezeit: ca. 8 Minuten
Zielgruppe: Prozessingenieure, Instrumentierungsingenieure, PAT-Spezialisten, Anlagenplaner
Inline, Online und At-line beschreiben die räumliche und prozesstechnische Beziehung zwischen Messpunkt und laufendem Prozess. Sie legen fest, wo und wie eine Messung durchgeführt wird — und bestimmen damit direkt Antwortzeit, Probenrepräsentativität, Personalaufwand, Wartungsaufwand und die Eignung für verschiedene Prozessumgebungen.
Der Begriff In-situ wird in der Praxis häufig als besonders direkte Form von Inline verwendet und je nach Kontext nicht immer als eigene Hauptkategorie geführt. Wo der Unterschied relevant wird, ist im Inline-Abschnitt erläutert.
Die Wahl der richtigen Messstrategie ist eine der grundlegendsten Entscheidungen in der Prozessanalytik — und eine der häufigsten Fehlerquellen in der Praxis.
Reine Qualitätskontrolle ist nicht wertschöpfend — das ist der Industrie bewusst. Der eigentliche Wert der richtigen Messstrategie liegt woanders: schnellere Prozesse, weniger Energieeinsatz, geringerer Rohstoffverbrauch, weniger Ausschuss. Wer am richtigen Ort mit der richtigen Methode misst, kann den Prozess aktiv steuern statt nur nachträglich zu kontrollieren.
Das ist der Business Case hinter Inline und Online — nicht Compliance, sondern Wettbewerbsfähigkeit.
Die wirtschaftlichen Potenziale von PAT — Prozessoptimierung, Ressourceneffizienz und Automatisierung — werden im Artikel "Was ist PAT? — Prozessanalytik als Schlüssel zur modernen Produktion" vertieft.
| Merkmal | Inline (inkl. In-situ) | Online | At-line |
|---|---|---|---|
| Messort | Direkt im Prozessstrom, kein Probenweg | Extraktive Probennahme, kontinuierlich | Entnahme nahe am Prozess, diskontinuierlich |
| Probenaufbereitung | Nicht erforderlich | Erforderlich (Filter, KĂĽhler, Pumpe) | Manuell oder automatisch |
| Antwortzeit | Sekunden | Minuten | Minuten bis Stunden |
| Probenrepräsentativität | Sehr hoch | Hoch, wenn die Probennahme korrekt ausgelegt ist | Abhängig von der Probennahme |
| Personalaufwand | Gering | Mittel, vor allem durch Wartung der Probenaufbereitung | Hoch, da Probennahme und Messung oft manuell erfolgen |
| Wartungsaufwand | Mittel bis hoch | Hoch, vor allem im Probennahmesystem | Geringer |
| Investitionskosten | Mittel bis hoch | Mittel | Geringer |
| Aggressive Medien | Bedingt | Ja, mit geeigneter Aufbereitung | Ja |
| Typische Geräte | TDLS, pH-Sonde, NIR-Sonde, ZrO₂ | NDIR, GC, Paramagnetisch, TOC | Handmessgerät, Laboranalysator |
Ein Inline-Sensor misst direkt am Prozess, ohne externe Probenentnahme und ohne nachgeschaltete Probenaufbereitung. Der Sensor befindet sich physisch im Medium oder misst unmittelbar am Prozessort.
Typische Inline-Messprinzipien sind TDLS, pH-Elektroden im Reaktor, NIR-Sonden in Granulat- oder Flüssigkeitsströmen sowie Leitfähigkeitssensoren in Reinwasseranwendungen.
Die Antwortzeit ist am schnellsten, weil der Sensor direkt auf Prozessänderungen reagiert. Da keine Probenaufbereitung erforderlich ist, gibt es weniger Fehlerquellen und weniger Wartungsaufwand. Außerdem entfällt der Zeitverzug durch Probennahme oder Probentransport. Die Probenrepräsentativität ist sehr hoch, weil genau das gemessen wird, was im Prozess vorhanden ist.
Die häufigste Fehlerursache bei Inline-Messungen ist, dass das Medium vor der Sensorauswahl nicht ausreichend untersucht wurde.
In der Praxis bedeutet das: Ein Sensor wird für den Inline-Betrieb ausgewählt, weil er technisch geeignet erscheint — die tatsächlichen Prozessbedingungen wurden jedoch nicht vollständig analysiert. Typische Probleme sind:
Konsequenz: Vor jeder Inline-Entscheidung sollte eine vollständige Analyse der Prozessbedingungen stehen — nicht nur Temperatur und Druck, sondern auch Feststoffe, reaktive Bestandteile sowie die Materialverträglichkeit über alle Prozesszustände hinweg, einschließlich Anlauf, Abfahren und CIP (Cleaning-in-Place — automatisierte Reinigung der Anlage ohne Demontage, Standard in Pharma- und Lebensmittelindustrie).
Hinweis zu In-situ: In Fachliteratur und Praxis wird In-situ häufig synonym zu Inline verwendet. Der relevante Unterschied liegt vor allem dann vor, wenn ein Prinzip ohne direkten Medienkontakt arbeitet — zum Beispiel bei TDLS, wo der Laserstrahl das Gasvolumen durchquert, ohne eine Probe zu entnehmen. Das ist technisch besonders vorteilhaft für aggressive, hygienekritische oder reaktive Medien. In vielen anderen Kontexten sind Inline und In-situ praktisch gleichzusetzen.
Ein Online-System entnimmt kontinuierlich eine repräsentative Probe aus dem Prozess, bereitet sie auf und führt sie dem Analysator zu. Zur Aufbereitung gehören je nach Anwendung typischerweise Filterung, Kühlung, Druckreduktion und Trocknung.
Der Analysator selbst befindet sich nicht im Prozess, sondern in einem Analysatorhäuschen oder Schaltschrank und ist dadurch vor den rauen Prozessbedingungen geschützt.
Online ermöglicht den Einsatz empfindlicher und komplexer Analysatoren, die für direkte Prozessbedingungen nicht ausgelegt sind. Wartungsarbeiten am Analysator können häufig durchgeführt werden, ohne den Prozess zu unterbrechen. Das Verfahren eignet sich auch für aggressive, korrosive oder hochbelastete Medien, sofern Probenaufbereitung und Materialauswahl passend ausgelegt sind.
Die Probenaufbereitung ist der kritischste Punkt. Die Zuverlässigkeit des Gesamtsystems ist nur so gut wie das Probennahmesystem. Ein verstopfter Filter, eine defekte Pumpe oder eine undichte Probenleitung kann den Analysator blind machen, ohne dass der Analysator selbst einen Fehler anzeigt. Das ist messtechnisch ein unerkannter Ausfall.
Ein weiterer Nachteil ist der Zeitverzug: Zwischen Prozessereignis und Messwert liegt der Transportweg der Probe durch die Leitung. Bei langen Probenwegen kann dieser Verzug Minuten betragen, was fĂĽr schnelle Regelaufgaben kritisch ist.
Außerdem kann sich das Medium auf dem Weg vom Prozess zum Analysator verändern — etwa durch Kondensation, chemische Reaktionen mit Leitungswerkstoffen oder Entgasung. Besonders kritisch ist das bei reaktiven Gasen oder Medien mit flüchtigen Bestandteilen.
| Komponente | Funktion | Typische Ausfallursache |
|---|---|---|
| Vorfilter / Grobfilter | Staubabscheidung, Partikelschutz | Verstopfung durch hohe Staubbeladung |
| Feinfilter | Schutz des Analysators | Verstopfung, Bypassleckage |
| MessgaskĂĽhler (PeltierkĂĽhler, UmlaufkĂĽhler) | Feuchteabscheidung im Messgas, Taupunktabsenkung | Kondensatanstauung, KĂĽhlerausfall |
| Kondensatableitung (Kondensatpumpe, Siphon) | AbfĂĽhrung des anfallenden Kondensats | Verstopfung, Pumpenausfall |
| Messgaspumpe (Membranpumpe, Ejektorpumpe) | Gastransport vom Prozess zum Analysator | MembranverschleiĂź, Druckverlust |
| FlĂĽssigkeitspumpe (Peristaltik, Kolbenpumpe) | Transport flĂĽssiger Proben bei FlĂĽssigkeitsanalytik | SchlauchverschleiĂź, Leckage |
| Beheizte Probenleitung | Verhindert Kondensation auf dem Probenweg | Heizungsausfall, Undichtigkeiten |
| Durchflussmesser / -regler | Konstanter Probenvolumenstrom zum Analysator | Drift, Verstopfung, Ausfall |
| Druckregler | Anpassung des Probendrucks an den Analysatoreingang | MembranverschleiĂź |
Wichtiger Hinweis für SIL-Anwendungen: In sicherheitsrelevanten Online-Systemen muss das gesamte Probennahmesystem — Filter, Pumpe, Durchflussmesser und Leitung — in die SIL-Betrachtung einbezogen werden. Ein Filterausfall, der den Analysator blind macht, ist ein sicherheitsrelevanter Ausfall, auch wenn der Analysator selbst keinen Fehler meldet.
At-line bezeichnet eine Messung, die räumlich nah am Prozess stattfindet, aber außerhalb des eigentlichen Prozessstroms. Eine Probe wird manuell oder automatisch entnommen, zum Messgerät gebracht und dort analysiert. Das Messgerät ist nicht in den Prozess integriert.
Beispiele sind ein portables NIR-Gerät an der Produktionslinie, ein Laboranalysator direkt neben der Anlage oder eine automatische Probennahmestation mit diskontinuierlicher Analyse.
At-line hat die geringsten Investitionskosten unter den drei Strategien, weil kein aufwendiger Inline-Einbau und kein komplexes Probennahmesystem erforderlich sind. Die Methode ist flexibel, weil dasselbe Gerät für mehrere Messpunkte verwendet werden kann. Wartung und Kalibrierung sind einfacher, da das Gerät nicht im Prozess integriert ist.
Der größte Nachteil ist der Zeitverzug. Zwischen Probennahme und Messergebnis vergehen Minuten bis Stunden, je nach Prozess und Analyseaufwand. Für Regelaufgaben ist At-line deshalb in der Regel nicht geeignet.
Ein oft unterschätzter Kostenfaktor ist der Personalaufwand. At-line ist nicht automatisch kontinuierlich: Jemand muss die Probe entnehmen, zum Messgerät bringen, das Gerät bedienen, das Ergebnis ablesen und dokumentieren. Im Dreischichtbetrieb bedeutet das, dass qualifiziertes Personal rund um die Uhr verfügbar sein muss. Die niedrigen Investitionskosten gegenüber Inline oder Online werden dadurch oft durch laufende Personalkosten relativiert.
Bei automatisierten At-line-Systemen mit automatischer Probennahme und Analyse sinkt der Personalaufwand, verschwindet aber nicht vollständig: Kalibrierung, Wartung des Probennahmesystems und Ergebnisvalidierung bleiben weiterhin manuelle Aufgaben.
Auch die Probenrepräsentativität hängt stark von der Probennahme ab. Wenn die Probe nicht korrekt entnommen, transportiert und aufbereitet wird, ist das Messergebnis unzuverlässig — unabhängig davon, wie gut das Messgerät selbst ist. Gerade bei inhomogenen Medien wie Suspensionen oder Mehrphasensystemen ist die Probennahme eine eigene Herausforderung.
At-line liefert zudem keine kontinuierlichen Messwerte. Zwischen zwei Messungen können relevante Prozessänderungen unbemerkt bleiben.
Off-line bezeichnet die klassische Laboranalytik: Eine Probe wird aus dem Prozess entnommen, in ein Labor transportiert und dort unter kontrollierten Bedingungen analysiert. Das Labor ist räumlich vom Prozess getrennt — der Zeitverzug zwischen Probennahme und Ergebnis beträgt Stunden bis Tage.
Off-line ist keine PAT-Methode im engeren Sinn, aber es ist die Grundlage auf der alle anderen Messstrategien aufbauen. Kalibriermodelle fĂĽr NIR-Sonden werden Off-line entwickelt. Freigabeentscheidungen in der Pharmaindustrie basieren auf Off-line-Analytik. Validierungsstudien fĂĽr Inline- und Online-Systeme erfordern Off-line-Referenzmessungen.
Ein häufiger Denkfehler in PAT-Projekten: Off-line soll durch Inline oder Online ersetzt werden. Das ist der falsche Ansatz.
Die richtige Frage lautet nicht "Wie ersetze ich meine Off-line-Messung?" — sondern: "Wo messe ich was, um den Prozess optimal zu steuern und zu automatisieren?"
Off-line bleibt unverzichtbar fĂĽr Aufgaben die es erfordern:
Was Inline und Online leisten können — und Off-line nicht — ist die kontinuierliche Prozesssteuerung in Echtzeit. Nicht weil Off-line schlechter misst, sondern weil der Zeitverzug für Regelaufgaben zu groß ist.
| Aufgabe | Geeignete Strategie |
|---|---|
| Prozessregelung in Echtzeit | Inline / Online |
| FrĂĽhwarnung bei Prozessabweichungen | Inline / Online |
| Qualitätssicherung und Freigabe | Off-line (+ At-line als Ergänzung) |
| Kalibrierung von Prozesssensoren | Off-line als Referenz |
| Validierungsstudien | Off-line |
| Rohstoffkontrolle bei Anlieferung | At-line / Off-line |
| EndproduktprĂĽfung | Off-line |
Fazit zum Thema Off-line: Die Frage ist nicht ob Off-line durch eine andere Strategie ersetzt werden soll. Die Frage ist welche Messaufgabe welche Strategie erfordert — und wie alle vier Strategien zusammen ein vollständiges Bild des Prozesses ergeben.
Legende: ✅ Gut geeignet | ⚠️ Bedingt geeignet | ❌ Nicht geeignet
| Anforderung | Inline | Online | At-line | Off-line |
|---|---|---|---|---|
| Schnelle Prozessregelung (< 1 min) | ✅ | ⚠️ | ❌ | ❌ |
| Kontinuierliche Überwachung | ✅ | ✅ | ❌ | ❌ |
| Aggressive / korrosive Medien | ⚠️ | ✅ | ✅ | ✅ |
| Hohe Staubbeladung | ⚠️ | ✅ | ✅ | ✅ |
| Hochempfindliche Analytik | ❌ | ✅ | ✅ | ✅ |
| Geringer Personalaufwand | ✅ | ✅ | ❌ | ❌ |
| GMP-konforme Freigabe | ❌ | ❌ | ⚠️ | ✅ |
| Kalibrierung / Validierung | ❌ | ❌ | ⚠️ | ✅ |
| SIL-relevante Sicherheitsmessung | ✅ | ⚠️ | ❌ | ❌ |
| Multikomponentenmessung | ⚠️ | ✅ | ✅ | ✅ |
| Niedrige Investitionskosten | ❌ | ⚠️ | ✅ | ⚠️ |
| Probenrepräsentativität hoch | ✅ | ✅ | ⚠️ | ⚠️ |
| Flexible Nutzung mehrerer Messpunkte | ❌ | ❌ | ✅ | ✅ |
Pharmaindustrie — Granulat-Feuchtemessung: NIR-Sonde inline im Granulator — direkte Echtzeitmessung der Restfeuchte ohne Probenentnahme. Geeignet, wenn das Granulat keine reaktiven Bestandteile enthält, die die Sonde belegen. At-line ist eine Alternative, wenn Inline-Bedingungen zu aggressiv sind.
Chemieindustrie — Synthesegasüberwachung: Online-GC für Mehrkomponentenmessung — Synthesegas enthält H₂, CO, CO₂ und CH₄ in wechselnden Verhältnissen. Ergänzend kann TDLS inline für eine schnelle O₂-Sicherheitsüberwachung eingesetzt werden.
Wasseraufbereitung — TOC-Messung: Online-TOC-Analysator mit extraktiver Probenaufbereitung — Standard in der Reinstwasserüberwachung. Inline ist hier nicht sinnvoll, da die TOC-Messung eine Umwandlung des Kohlenstoffs erfordert.
Lebensmittelindustrie — Brix-Messung: Inline-Refraktometer direkt im Prozessrohr — schnell, hygienisch und ohne Probenentnahme. CIP-Fähigkeit des Sensors ist hier eine Pflichtanforderung.
Raffinerien — H₂S-Überwachung: Online mit elektrochemischem Sensor und gekühlter Probenleitung — H₂S ist zu korrosiv und toxisch für viele direkte Inline-Anwendungen.
| Norm / Quelle | Inhalt |
|---|---|
| PAT Guidance (FDA, 2004) | Einführende Definition von Inline, Online, At-line und Off-line im pharmazeutischen Kontext — grundlegend für die Prozessanalytik |
| ASTM E2363 | Terminologie für die Prozessanalytik — Definitionen der Messpositionen |
| ISO 15839 | Feldgeräte für die Wasseranalytik — Begriffsdefinitionen für Messpositionen |
| NAMUR NE 107 | Selbstüberwachung und Diagnose von Feldgeräten — relevant für Inline- und Online-Systeme |
| IEC 61511 | SIS in der Prozessindustrie — Messpositionen in Sicherheitskreisen |
Was bedeuten Inline, Online und At-line?
Inline bedeutet: Der Sensor misst direkt am Prozess ohne Probenentnahme. Online bedeutet: Eine Probe wird kontinuierlich entnommen, aufbereitet und einem Analysator zugefĂĽhrt. At-line bedeutet: Eine Probe wird diskontinuierlich entnommen und nahe am Prozess analysiert. Die Wahl zwischen den drei Strategien bestimmt Antwortzeit, Wartungsaufwand und Eignung fĂĽr verschiedene Prozessbedingungen.
Wann ist Inline besser als Online?
Inline ist besser, wenn schnelle Antwortzeiten für die Prozessregelung erforderlich sind, wenn das Medium keine Ablagerungen auf dem Sensor verursacht und wenn die Materialverträglichkeit des Sensors mit dem Medium vollständig geprüft ist. Online ist besser, wenn das Medium zu aggressiv für direkte Sensormessung ist oder wenn empfindliche Analysatoren eingesetzt werden sollen, die keine direkten Prozessbedingungen vertragen.
Was ist der häufigste Fehler bei Inline-Messungen?
Das Medium wird vor der Sensorauswahl nicht vollständig analysiert. In der Praxis bedeutet das: Feststoffe, reaktive Bestandteile oder Ablagerungen im Prozessgas oder in der Prozessflüssigkeit werden nicht berücksichtigt. Bei TDLS-Systemen können Feststoffe optische Fenster beeinträchtigen und zu Signalverlust führen. Bei Flüssigkeitssonden können Ablagerungen die Messung verfälschen, ohne dass ein Fehleralarm ausgelöst wird — ein besonders tückischer unerkannter Fehler.
Warum ist die Probenaufbereitung bei Online-Systemen so kritisch?
Die Zuverlässigkeit eines Online-Systems ist nur so gut wie sein Probennahmesystem. Ein verstopfter Filter, eine defekte Pumpe oder eine undichte Leitung macht den Analysator blind, ohne dass der Analysator selbst einen Fehler meldet. In sicherheitsrelevanten Anwendungen muss deshalb das gesamte Probennahmesystem in die SIL-Betrachtung einbezogen werden, nicht nur der Analysator.
Ist At-line fĂĽr die Prozessregelung geeignet?
In der Regel nicht. At-line liefert diskontinuierliche Messwerte mit einem Zeitverzug von Minuten bis Stunden — zu langsam für Regelaufgaben. At-line eignet sich eher für Qualitätskontrolle, Freigabeentscheidungen und Prozessüberwachung, bei der kein Echtzeitsignal erforderlich ist.
Was bedeutet Off-line und wie unterscheidet es sich von At-line?
Off-line bedeutet: Die Probe wird entnommen und in einem separaten Labor analysiert — räumlich und zeitlich deutlich vom Prozess entfernt, mit einem Zeitverzug von Stunden bis Tagen. At-line ist räumlich nah am Prozess und deutlich schneller. Off-line ist die vierte Kategorie in der PAT-Terminologie (FDA Guidance 2004) — und trotz des Zeitverzugs unverzichtbar für GMP-konforme Freigabeentscheidungen, Kalibrierungen und Validierungsstudien.
Sollte Off-line durch Inline oder Online ersetzt werden?
Nein — das ist ein häufiger Denkfehler in PAT-Projekten. Off-line misst oft genauer und mit zertifizierten Methoden. Was Inline und Online leisten, ist kontinuierliche Prozesssteuerung in Echtzeit — etwas das Off-line wegen des Zeitverzugs nicht kann. Die richtige Frage ist nicht "Wie ersetze ich Off-line?" sondern "Wo messe ich was, um den Prozess optimal zu steuern?" Jede Strategie hat ihre Aufgabe: Inline und Online für Regelung und Überwachung, Off-line für Freigabe, Kalibrierung und Validierung.
Welche Messstrategie ist fĂĽr SIL-relevante Anwendungen geeignet?
Inline ist meist die bevorzugte Lösung, weil weniger Komponenten im Sicherheitskreis vorhanden sind und damit weniger Fehlerquellen bestehen. Bei Online-Systemen muss das gesamte Probennahmesystem — Filter, Pumpe, Durchflussmesser und Leitung — in die SIL-Betrachtung einbezogen werden. At-line ist für sicherheitsrelevante Echtzeit-Überwachung nicht geeignet, weil die Messung nicht kontinuierlich erfolgt.
Wie unterscheiden sich Inline und In-situ?
Beide Strategien messen ohne Probenentnahme direkt am Prozess, weshalb die Begriffe in der Praxis oft gleichgesetzt werden. Der präzisere Unterschied ist: Inline bedeutet, dass der Sensor direkt am Prozess bzw. im direkten Kontakt mit dem Medium arbeitet. In-situ bedeutet, dass die Messung ohne direkten Medienkontakt des Sensors erfolgt — etwa bei TDLS, wo der Laserstrahl das Gasvolumen durchquert, ohne eine Probe zu entnehmen. Für Fragen der Materialverträglichkeit, Kontamination und CIP-Fähigkeit ist diese Unterscheidung relevant.
Welche Messstrategie verursacht den höchsten Personalaufwand?
At-line — eindeutig. Da At-line nicht kontinuierlich automatisiert ist, muss qualifiziertes Personal die Probe entnehmen, zum Messgerät bringen, das Gerät bedienen und das Ergebnis dokumentieren. Im Dreischichtbetrieb mit häufigen Messintervallen summiert sich das zu einem erheblichen Kostenfaktor. Online und Inline laufen dagegen weitgehend automatisch; der Personalaufwand beschränkt sich auf Wartung und Kalibrierung.
Die Wahl zwischen Inline, Online und At-line ist keine technische Detailfrage, sondern eine der grundlegendsten strategischen Entscheidungen in der Prozessanalytik. Sie bestimmt Antwortzeit, Probenrepräsentativität, Wartungsaufwand, Investitionskosten und die Eignung für sicherheitsrelevante Anwendungen.
Die wichtigste Lektion aus der Praxis: Eine Inline-Messung ist nicht automatisch besser, nur weil sie direkter ist. Wenn das Medium Ablagerungen verursacht, die Materialverträglichkeit nicht vollständig geprüft ist oder die Prozessbedingungen zu aggressiv sind, ist Online mit einer gut ausgelegten Probenaufbereitung oft die zuverlässigere Wahl.
Und bei Online-Systemen gilt umgekehrt: Der Analysator ist nur die letzte Stufe. Die Probenaufbereitung ist das Herzstück des Systems — und der häufigste Ort, an dem Zuverlässigkeit verloren geht.
Analytic Journal — Das Portal der Prozessanalytik
Dusko Kadijevic | DK Consulting | Publisher Analytic Journal | analyticjournal.de | +491733129816
Verfasst Mai 2026. Alle Inhalte in eigenen Worten — keine Reproduktion aus Normen oder Herstellerunterlagen.
© 2026 Analytic Journal / Dusko Kadijevic. Alle Rechte vorbehalten.
Dieser Artikel ist urheberrechtlich geschützt (§ 2 UrhG). Kurzauszüge mit Quellenangabe und aktivem Link auf analyticjournal.de sind zulässig. Vollständige oder weitgehende Reproduktion — auch in digitaler Form, durch KI-Systeme oder automatisierte Prozesse — ist ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des Herausgebers nicht gestattet. Anfragen: info@analyticjournal.de
WeiterfĂĽhrende Themen auf Analytic Journal:
Redaktioneller Hinweis
Dieser Artikel wurde nach bestem Wissen und Gewissen auf Basis öffentlich verfügbarer Fachinformationen, Normen und Herstellerangaben erstellt. Technische Spezifikationen können sich ändern — für verbindliche Angaben konsultieren Sie aktuelle Herstellerdatenblätter und zuständige Normungsgremien. Analytic Journal erstellt redaktionellen Content unabhängig von Herstellern und Werbepartnern.
Autor: Dusko Kadijevic — 20 Jahre Erfahrung als PAT-Anwender in der Prozessindustrie