Kategorie: Gasanalytik | Prozessanalytik | EmissionsĂŒberwachung | PAT
Autor: Dusko Kadijevic, Publisher Analytic Journal
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026
Lesezeit: ca. 10 Minuten
Zielgruppe: Prozessingenieure, Anlagenplaner, PAT-Spezialisten, Sicherheitsverantwortliche
Ist die Zielkomponente eindeutig, passt der Konzentrationsbereich, ist eine In-situ-Messung möglich, sind Temperatur, Staub, Feuchte und Korrosion beherrschbar und sind die normativen Anforderungen erfĂŒllt?
| Frage | â GrĂŒn | â ïž Gelb | â Rot |
|---|---|---|---|
| 1. Zielkomponente bekannt? | Einzelkomponente klar definiert | Mehrere Komponenten, aber priorisierbar | Ziel unklar oder wechselnd |
| 2. Konzentrationsbereich passend? | Bereich gut zum Prinzip passend | Grenzbereich oder hohe MatrixeinflĂŒsse | Messbereich ungeeignet |
| 3. In-situ möglich? | Direkte Messung im Prozess möglich | Nur mit EinschrÀnkungen | Nur extraktiv sinnvoll |
| 4. Prozessbedingungen beherrschbar? | Temperatur, Staub, Feuchte, Korrosion unkritisch | Einzelne Störfaktoren vorhanden | Stark belastete oder aggressive Matrix |
| 5. Normen/Sicherheit erfĂŒllt? | Ex, SIL, CEMS oder QAL1 sauber abbildbar | ZusĂ€tzliche PrĂŒfungen nötig | Regulatorisch nicht belastbar |
Prozessgasanalytik bezeichnet die kontinuierliche oder diskontinuierliche Messung der chemischen Zusammensetzung von Gasströmen in industriellen Prozessen â mit dem Ziel, ProzessqualitĂ€t zu sichern, Effizienz zu steigern, gesetzliche Emissionsgrenzen einzuhalten und Sicherheitsrisiken zu erkennen.
Im Unterschied zur Laboranalytik arbeitet die Prozessgasanalytik unter realen Bedingungen: wechselnde Temperaturen, DrĂŒcke, Feuchtegehalte, Staubbeladungen und aggressive Begleitkomponenten. Die Robustheit eines Messprinzips unter diesen Bedingungen ist mindestens so entscheidend wie seine Messgenauigkeit im Labor.
| Messprinzip | Zielkomponenten | Messort | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| NDIR | CO, COâ, CHâ, SOâ, NO, NâO, HâO | Extraktiv (online) | BewĂ€hrt, kostengĂŒnstig, breiter Einsatz |
| TDLS | Oâ, HâO, CO, NHâ, HF, HCl, CHâ | In-situ (inline) | Hochselektiv, wartungsarm, kein Probengas |
| Paramagnetisch | Oâ | Extraktiv (online) | Spezifisch fĂŒr Oâ, robust, bewĂ€hrt |
| Zirkondioxid (ZrOâ) | Oâ | In-situ oder extraktiv | Sehr schnell, fĂŒr Verbrennungsregelung |
| Elektrochemisch | Oâ, CO, HâS, Clâ, NHâ | Extraktiv | KostengĂŒnstig, begrenzte Lebensdauer |
| FID | Gesamt-KW (THC), VOC | Extraktiv | Sehr empfindlich, benötigt Brenngas (Hâ) |
| Prozess-GC | Multikomponent, Einzelkomponenten | Extraktiv | Höchste SpezifitÀt, diskontinuierlich |
| FTIR | Multikomponent simultan | Extraktiv oder in-situ | Breites Spektrum, komplex |
| Massenspektrometrie | Multikomponent simultan | Extraktiv | Höchste Empfindlichkeit, hoher Aufwand |
| WĂ€rmeleitfĂ€higkeit (WLD) | Hâ, He, COâ als Hauptkomponente | Extraktiv | Einfach, unspezifisch |
| Chemolumineszenz (CLD) | NO, NOâ, NOâ | Extraktiv | Spezifisch fĂŒr Stickoxide, EmissionsĂŒberwachung |
| UV-Photometrie | SOâ, NO, NHâ, HâS | Extraktiv oder in-situ | Selektiv im UV-Bereich |
Messprinzip: Infrarotlicht wird durch das Messgas geleitet. Jedes GasmolekĂŒl absorbiert Infrarotstrahlung bei charakteristischen WellenlĂ€ngen. Die AbschwĂ€chung des Lichts ist proportional zur Konzentration der Zielkomponente.
StĂ€rken: Robust, kostengĂŒnstig, bewĂ€hrt ĂŒber Jahrzehnte, fĂŒr viele Industriegase geeignet, gute LangzeitstabilitĂ€t, weitgehend wartungsarm.
Grenzen: Querempfindlichkeiten durch spektrale Ăberlappung â COâ stört bei CO-Messung, HâO stört bei vielen Komponenten. Probenaufbereitung (KĂŒhlung, Filterung, Trocknung) ist in der Regel erforderlich.
Typische Anwendungen:
Messprinzip: Ein durchstimmbarer Diodenlaser sendet Laserlicht exakt auf eine charakteristische Absorptionslinie des ZielmolekĂŒls. Da jedes Gas einzigartige Absorptionslinien besitzt, ist die SelektivitĂ€t extrem hoch. Die Messung erfolgt in-situ â der Laserstrahl durchquert den Prozessgasstrom direkt im Rohr oder Kanal, ohne Probenentnahme.
StĂ€rken: Höchste SelektivitĂ€t unter den optischen Methoden, kein Probengas, keine Probenaufbereitung, schnelle Antwortzeit, integrierte Eigendiagnose, wartungsarm, fĂŒr raueste Prozessumgebungen geeignet.
Grenzen: Stark partikelbeladene Medien können den Laserstrahl schwĂ€chen. Höhere Investitionskosten. FĂŒr flĂŒssige Medien nicht geeignet. DruckabhĂ€ngigkeit der Absorptionslinienbreite muss bei der Auslegung berĂŒcksichtigt werden.
Typische Anwendungen:
Messprinzip: Sauerstoff ist paramagnetisch â er wird von Magnetfeldern angezogen. Andere Gase sind im Wesentlichen diamagnetisch. Diese physikalische Eigenschaft wird genutzt, um Oâ selektiv und ohne spektroskopische Methoden zu messen.
StĂ€rken: Sehr spezifisch fĂŒr Oâ, bewĂ€hrt, gute LangzeitstabilitĂ€t, breiter Messbereich (ppm bis %).
Grenzen: Online-Messprinzip â erfordert Probenaufbereitung (Filterung, KĂŒhlung, Druckregelung). Querempfindlichkeit gegenĂŒber NO und NOâ, die ebenfalls paramagnetisch sind. Nicht fĂŒr In-situ-Messung geeignet.
Typische Anwendungen:
Messprinzip: Eine keramische Zirkondioxid-Zelle erzeugt bei erhöhter Temperatur (ca. 650â850°C) eine elektrochemische Spannung, die proportional zum Sauerstoffpartialdruckunterschied zwischen Messgasseite und Referenzluftseite ist.
StĂ€rken: Extrem schnelle Antwortzeit (Sekunden), direkte In-situ-Messung möglich, robust bei hohen Temperaturen, ideales Messprinzip fĂŒr Verbrennungsregelung.
Grenzen: Benötigt Referenzluft oder Referenzgas. Querempfindlichkeit gegenĂŒber brennbaren Gasen (Hâ, CO, CHâ), die Oâ an der SensoroberflĂ€che verbrauchen und zu Falschmessungen fĂŒhren. Nicht fĂŒr explosionsgefĂ€hrdete AtmosphĂ€ren geeignet ohne besondere AusfĂŒhrung.
Typische Anwendungen:
Messprinzip: Das Messgas wird in einer Wasserstoffflamme verbrannt. Dabei entstehen Ionen, die einen elektrischen Strom erzeugen. Die StĂ€rke des Stroms ist proportional zum Kohlenstoffgehalt der organischen Verbindungen â unabhĂ€ngig von deren Struktur.
StĂ€rken: Sehr hohe Empfindlichkeit (ppb-Bereich), erfasst praktisch alle organischen Verbindungen als Summenparameter (THC), nahezu unempfindlich gegenĂŒber Wasser und den meisten anorganischen Gasen.
Grenzen: Benötigt Wasserstoff als Brenngas. Keine Komponentenidentifizierung (nur Summenparameter). CO und COâ werden nicht erfasst. Erfordert sorgfĂ€ltige Probenaufbereitung.
Typische Anwendungen:
Messprinzip: Das Gasgemisch wird durch eine TrennsÀule geleitet. Verschiedene Komponenten wandern mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und werden zeitlich getrennt detektiert. Als Detektor dienen hÀufig WLD, FID oder massenspektrometrische Detektoren.
StĂ€rken: Höchste SpezifitĂ€t â Einzelkomponenten in komplexen Gasgemischen identifizierbar und quantifizierbar. Multikomponentenmessung in einem Lauf. Industrietauglich und fĂŒr kontinuierlichen Betrieb optimiert.
Grenzen: Diskontinuierliches Messprinzip â Zykluszeiten von Minuten bis zu einer Stunde. Hoher Investitions- und Wartungsaufwand. Erfordert Fachpersonal fĂŒr Methodenentwicklung.
Typische Anwendungen:
Messprinzip: Ein Interferometer erzeugt ein breitbandiges Infrarotspektrum, das mit dem Messgas in Wechselwirkung tritt. Durch mathematische Transformation und Spektrenvergleich mit einer Bibliothek werden Komponenten identifiziert und quantifiziert.
StÀrken: Simultane Mehrkomponentenmessung ohne Umbau, breites Komponentenspektrum, hohe FlexibilitÀt bei wechselnden Messaufgaben.
Grenzen: Hohe KomplexitĂ€t in Kalibrierung und Wartung. Hâ und einatomige Gase (He, Ar, Nâ, Oâ) sind IR-inaktiv. Querempfindlichkeiten zwischen spektral Ă€hnlichen Komponenten erfordern aufwendige Matrixkalibrierung.
Typische Anwendungen:
Messprinzip: GasmolekĂŒle werden ionisiert, nach ihrem Masse-zu-LadungsverhĂ€ltnis (m/z) getrennt und detektiert. Jede Verbindung erzeugt ein charakteristisches Fragmentierungsmuster.
StÀrken: Höchste Empfindlichkeit (sub-ppb-Bereich), simultane Multikomponentenmessung, Identifikation unbekannter Substanzen, sehr kurze Messzyklen möglich.
Grenzen: Hoher Investitions- und Betriebsaufwand, Hochvakuumsystem erforderlich, anspruchsvolle Probenaufbereitung, Fachpersonal notwendig.
Typische Anwendungen:
Legende: â Gut geeignet | â ïž Bedingt geeignet | â Nicht geeignet
| Messaufgabe | NDIR | TDLS | Para-mag. | ZrOâ | FID | GC | FTIR | MS |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Oâ-Ăberwachung Inertisierung | â | â | â | â ïž | â | â | â | â |
| Verbrennungsregelung (Oâ) | â | â | â ïž | â | â | â | â | â |
| CO/COâ Rauchgas | â | â | â | â | â | â ïž | â | â ïž |
| Gesamt-KW (THC/VOC) | â | â | â | â | â | â ïž | â ïž | â ïž |
| NOâ EmissionsĂŒberwachung | â | â ïž | â | â | â | â | â | â ïž |
| SOâ EmissionsĂŒberwachung | â | â | â | â | â | â | â | â ïž |
| NHâ Prozess/SCR | â ïž | â | â | â | â | â ïž | â | â ïž |
| HâO / Taupunkt Erdgas | â ïž | â | â | â | â | â ïž | â | â |
| Erdgas / Heizwert | â | â | â | â | â | â | â ïž | â ïž |
| Reinheitskontrolle Edelgase | â | â | â | â | â | â | â | â |
| Multikomponent simultan | â | â | â | â | â | â | â | â |
| Hâ Messung | â | â | â | â | â | â | â | â |
| HF/HCl Spurenmessung | â | â | â | â | â | â ïž | â | â ïž |
| SIL-relevante Sicherheitsmessung | â ïž | â | â | â ïž | â | â | â | â |
Hinweis: Die Matrix gibt eine erste Orientierung. Die endgĂŒltige Prinzipauswahl erfordert immer eine applikationsspezifische Betrachtung â insbesondere hinsichtlich Begleitkomponenten, Prozessbedingungen und regulatorischer Anforderungen.
Einkomponentenmessung im Prozentbereich: NDIR, Paramagnetisch, ZrOâ â kostengĂŒnstig und robust. Spurenmessung im ppb-Bereich: TDLS, MS, FID â höhere Investition, höhere SpezifitĂ€t. Multikomponentenmessung: GC, FTIR, MS â je nach Anforderung an Zykluszeit und Budget.
Inline (In-situ): Sensor misst direkt im Prozessraum â kein Probengas, keine Probenleitung. Schnellste Antwortzeit, geringste Fehlerquellen. Geeignet: TDLS, ZrOâ, bestimmte UV-Systeme.
Online (Extraktiv): Probenaufbereitungsanlage entnimmt, kĂŒhlt, filtert und konditioniert das Messgas. Ermöglicht empfindlichere Analysatoren. Geeignet: NDIR, Paramagnetisch, FID, GC, MS, FTIR.
| Kriterium | Inline | Online (extraktiv) |
|---|---|---|
| Antwortzeit | Sehr schnell (Sekunden) | Langsamer (Minuten) |
| Probenaufbereitung | Nicht erforderlich | Erforderlich |
| Fehlerquellen | Gering | Höher |
| Wartungsaufwand | Geringer | Höher |
| Geeignete Prinzipien | TDLS, ZrOâ, UV | NDIR, GC, FID, MS, Paramagnetisch |
| Komponente | Funktion | Typische Ausfallursache |
|---|---|---|
| Filterpatrone | Staubabscheidung | Verstopfung, Bypassleckage |
| ProbenkĂŒhler / PeltierkĂŒhler | Feuchteabscheidung | Kondensatanstauung |
| Membranpumpe | Gastransport | MembranverschleiĂ |
| Beheizte Probenleitung | Kondensationsverhinderung | Heizungsausfall |
| Durchflussmesser/-regler | Konstanter Probengasstrom | Drift, Verstopfung |
Chemische Industrie: Brenngasanalyse (Heizwert, Wobbe-Index), SynthesegasĂŒberwachung (Hâ, CO, COâ, CHâ), Inertisierungskontrolle (Oâ), ReaktorĂŒberwachung, kontinuierliche EmissionsĂŒberwachung (CEMS). Besondere Herausforderung: Aggressive, korrosive oder toxische Prozessgase erfordern spezielle Materialauswahl und Probenaufbereitungskonzepte.
Ăl, Gas und Petrochemie: Heizwertmessung und Tarifabrechnung (Prozess-GC, Kalorimeter), GasqualitĂ€tskontrolle (GC), HâS-Ăberwachung (elektrochemisch, UV), BTX-Messung (GC, FID), CEMS an Fackeln und Verbrennungsanlagen.
Pharmazeutische Industrie: Reinheitskontrolle von Prozessgasen und Druckluft (Oâ, COâ, HâO), Fermentationsgas-Analyse (Oâ, COâ, Ethan), Inertgas-Ăberwachung, CIP/SIP-ProzessĂŒberwachung.
Energieerzeugung und Kraftwerke: Verbrennungsoptimierung (Oâ, CO via ZrOâ und NDIR), RauchgasĂŒberwachung CEMS (SOâ, NOâ, CO, Staub), SCR-Ammoniakschlupfmessung (NHâ via TDLS oder FTIR), Heizwertmessung Brenngas.
Lebensmittel- und GetrĂ€nkeindustrie: COâ-Reinheitskontrolle (NDIR, GC), Schutzgas-Ăberwachung in Verpackungslinien (Oâ, COâ), Fermentationsgas-Analyse in Brauereien, Ethanol-Dampfmessung.
| Norm / Richtlinie | Inhalt |
|---|---|
| EN 14181 | QualitĂ€tssicherung fĂŒr automatische Messeinrichtungen â QAL1, QAL2, QAL3, AST |
| 17. BImSchV | Anforderungen an CEMS in der deutschen GroĂfeuerungsanlagenverordnung |
| 13. BImSchV | Emissionsgrenzwerte fĂŒr Verbrennungsanlagen |
| TA Luft | Technische Anleitung Luft â Emissionsanforderungen fĂŒr Industrieanlagen |
| EU IED | EuropĂ€ischer Rahmen fĂŒr Industrieemissionen |
| EN 15267 | Zertifizierung von Messeinrichtungen fĂŒr EmissionsĂŒberwachung |
| ISO 10723 | Leistungsbewertung von Gasanalysesystemen |
| NAMUR NE 107 | SelbstĂŒberwachung und Diagnose von FeldgerĂ€ten |
| ATEX-Richtlinie / IEC 60079 | Anforderungen an GerÀte in explosionsgefÀhrdeten Bereichen |
Was ist der Unterschied zwischen inline und online in der Gasanalytik?
Inline (In-situ) bedeutet, der Sensor misst direkt im Prozessgasstrom â ohne Probenentnahme. Online (extraktiv) bedeutet, eine Probe wird entnommen, aufbereitet und dem Analysator zugefĂŒhrt. Inline ist schneller und hat weniger Fehlerquellen. Online ermöglicht den Einsatz empfindlicherer Analysatoren und ist bei aggressiven oder kondensierenden Medien oft die einzige praktikable Lösung.
Warum ist TDLS zunehmend die erste Wahl fĂŒr Sicherheitsmessungen?
TDLS misst inline, ohne Probenaufbereitung und ohne Verbrauchsstoffe. Durch die hohe SelektivitĂ€t und die integrierten Eigendiagnosefunktionen sind unerkannte Fehler seltener als bei anderen Messprinzipien. Das macht TDLS zu einem zunehmend akzeptierten Messprinzip fĂŒr SIL-relevante Anwendungen.
Wann ist eine Prozess-GC die richtige Wahl?
Immer dann, wenn Einzelkomponenten in komplexen Gasgemischen spezifisch und quantitativ erfasst werden mĂŒssen â und wenn eine Zykluszeit von Minuten akzeptabel ist. Typisch: Heizwertmessung, Synthesegasanalyse, Reinheitskontrolle in der Petrochemie.
Was ist CEMS und welche Normen gelten?
CEMS steht fĂŒr Continuous Emission Monitoring System â ein System zur kontinuierlichen Ăberwachung von Schadstoffemissionen aus Industrieanlagen. In Deutschland und der EU gelten EN 14181 (QualitĂ€tssicherung), EN 15267 (Zertifizierung) sowie anlagenspezifische Verordnungen wie die 17. BImSchV.
Warum ist die Probenaufbereitung so kritisch?
Das Messergebnis eines extraktiven Analysators ist nur so zuverlĂ€ssig wie die Probenaufbereitung. Filter, KĂŒhler, Pumpen und Leitungen können das Messgas verĂ€ndern â durch Kondensation, Reaktion mit Leitungswerkstoffen oder Druckverluste. In SIL-Anwendungen muss das gesamte Probennahmesystem in die Sicherheitsbetrachtung einbezogen werden.
Welche Messprinzipien sind fĂŒr explosionsgefĂ€hrdete Bereiche (ATEX) geeignet?
GrundsĂ€tzlich alle â wenn sie in einer entsprechend zertifizierten AusfĂŒhrung (Ex-Schutz nach IEC 60079) eingesetzt werden. In-situ-Messprinzipien wie TDLS und ZrOâ haben dabei den Vorteil, dass die Elektronik auĂerhalb der Ex-Zone platziert werden kann.
Was bedeutet QAL1 nach EN 14181?
QAL1 (Quality Assurance Level 1) ist die Zertifizierung, dass ein MessgerĂ€t fĂŒr die kontinuierliche EmissionsĂŒberwachung nach europĂ€ischen Standards geeignet ist. Die Zertifizierung wird durch akkreditierte PrĂŒfstellen (z.B. TĂV, BG RCI) durchgefĂŒhrt und ist Voraussetzung fĂŒr den genehmigungskonformen Betrieb von CEMS-Anlagen in der EU.
Spezialverfahren fĂŒr Hochreinst- und Spurengasanalytik
FĂŒr Anwendungen im ppb- bis ppt-Bereich existieren Messprinzipien die in diesem Ăberblicksartikel nur am Rande erscheinen: CRDS (Cavity Ring-Down Spectroscopy), QCL (Quantum Cascade Laser), PAS (Photoakustische Spektroskopie), IMS (IonenmobilitĂ€tsspektrometrie).
Diese Verfahren werden in einem separaten Analytic Journal Artikel behandelt: "Spezialverfahren der Gasanalytik â Spurenmessung und Hochreinst-Anwendungen" (in Vorbereitung)
Mobile und stationÀre Gaswarnsysteme
Gaswarnsysteme folgen einer eigenen Auswahllogik: Reaktionszeit, Robustheit, Zertifizierung (ATEX, EN 60079), Warnpegel nach TRGS 723/725 und die Abgrenzung zwischen Personen- und Prozessschutz stehen im Vordergrund.
Diese Thematik wird in einem separaten Analytic Journal Artikel behandelt: "Mobile und stationĂ€re Gaswarnsysteme â Personenschutz, ATEX und Messprinzipien" (in Vorbereitung)
Gasanalytik in der Prozessindustrie ist keine Frage eines einzelnen Messprinzips â sondern eine AbwĂ€gung zwischen Zielkomponente, Prozessbedingungen, Messstrategie, regulatorischen Anforderungen und Wirtschaftlichkeit. Die Anwendungsmatrix in diesem Artikel bietet eine erste Orientierung; die endgĂŒltige Entscheidung erfordert immer eine applikationsspezifische Betrachtung.
Drei Entwicklungen prĂ€gen die Gasanalytik der kommenden Jahre: Die In-situ-Messung gewinnt weiter an Bedeutung â TDLS und verwandte Lasertechnologien verdrĂ€ngen in immer mehr Anwendungen extraktive Systeme. Der Druck durch regulatorische VerschĂ€rfung wĂ€chst â strengere Emissionsgrenzwerte erhöhen die Anforderungen an CEMS-Systeme. Und DatenqualitĂ€t wird zum Differenzierungsmerkmal â Analysatoren mit integrierter Eigendiagnose (NAMUR NE 107) und nachvollziehbarer Kalibrierhistorie sind nicht mehr optional.
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Dusko Kadijevic | DK Consulting | Publisher Analytic Journal | analyticjournal.de | +491733129816
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Dieser Artikel wurde nach bestem Wissen und Gewissen auf Basis öffentlich verfĂŒgbarer Fachinformationen, Normen und Herstellerangaben erstellt. Technische Spezifikationen können sich Ă€ndern â fĂŒr verbindliche Angaben konsultieren Sie aktuelle HerstellerdatenblĂ€tter und zustĂ€ndige Normungsgremien. Analytic Journal erstellt redaktionellen Content unabhĂ€ngig von Herstellern und Werbepartnern.
Autor: Dusko Kadijevic â 20 Jahre Erfahrung als PAT-Anwender in der Prozessindustrie