GasanalytikFachartikel

    Gasanalytik in der Prozessindustrie

    Kategorie: Gasanalytik | Prozessanalytik | EmissionsĂŒberwachung | PAT
    Autor: Dusko Kadijevic, Publisher Analytic Journal
    Zuletzt aktualisiert: Mai 2026
    Lesezeit: ca. 10 Minuten
    Zielgruppe: Prozessingenieure, Anlagenplaner, PAT-Spezialisten, Sicherheitsverantwortliche


    Schnellcheck: Entscheidung in 5 Fragen

    Ist die Zielkomponente eindeutig, passt der Konzentrationsbereich, ist eine In-situ-Messung möglich, sind Temperatur, Staub, Feuchte und Korrosion beherrschbar und sind die normativen Anforderungen erfĂŒllt?

    Frage✅ GrĂŒn⚠ Gelb❌ Rot
    1. Zielkomponente bekannt?Einzelkomponente klar definiertMehrere Komponenten, aber priorisierbarZiel unklar oder wechselnd
    2. Konzentrationsbereich passend?Bereich gut zum Prinzip passendGrenzbereich oder hohe MatrixeinflĂŒsseMessbereich ungeeignet
    3. In-situ möglich?Direkte Messung im Prozess möglichNur mit EinschrÀnkungenNur extraktiv sinnvoll
    4. Prozessbedingungen beherrschbar?Temperatur, Staub, Feuchte, Korrosion unkritischEinzelne Störfaktoren vorhandenStark belastete oder aggressive Matrix
    5. Normen/Sicherheit erfĂŒllt?Ex, SIL, CEMS oder QAL1 sauber abbildbarZusĂ€tzliche PrĂŒfungen nötigRegulatorisch nicht belastbar

    Definition

    Prozessgasanalytik bezeichnet die kontinuierliche oder diskontinuierliche Messung der chemischen Zusammensetzung von Gasströmen in industriellen Prozessen — mit dem Ziel, ProzessqualitĂ€t zu sichern, Effizienz zu steigern, gesetzliche Emissionsgrenzen einzuhalten und Sicherheitsrisiken zu erkennen.

    Im Unterschied zur Laboranalytik arbeitet die Prozessgasanalytik unter realen Bedingungen: wechselnde Temperaturen, DrĂŒcke, Feuchtegehalte, Staubbeladungen und aggressive Begleitkomponenten. Die Robustheit eines Messprinzips unter diesen Bedingungen ist mindestens so entscheidend wie seine Messgenauigkeit im Labor.


    Überblick: Die wichtigsten Messprinzipien

    MessprinzipZielkomponentenMessortBesonderheiten
    NDIRCO, CO₂, CH₄, SO₂, NO, N₂O, H₂OExtraktiv (online)BewĂ€hrt, kostengĂŒnstig, breiter Einsatz
    TDLSO₂, H₂O, CO, NH₃, HF, HCl, CH₄In-situ (inline)Hochselektiv, wartungsarm, kein Probengas
    ParamagnetischO₂Extraktiv (online)Spezifisch fĂŒr O₂, robust, bewĂ€hrt
    Zirkondioxid (ZrO₂)O₂In-situ oder extraktivSehr schnell, fĂŒr Verbrennungsregelung
    ElektrochemischO₂, CO, H₂S, Cl₂, NH₃ExtraktivKostengĂŒnstig, begrenzte Lebensdauer
    FIDGesamt-KW (THC), VOCExtraktivSehr empfindlich, benötigt Brenngas (H₂)
    Prozess-GCMultikomponent, EinzelkomponentenExtraktivHöchste SpezifitÀt, diskontinuierlich
    FTIRMultikomponent simultanExtraktiv oder in-situBreites Spektrum, komplex
    MassenspektrometrieMultikomponent simultanExtraktivHöchste Empfindlichkeit, hoher Aufwand
    WĂ€rmeleitfĂ€higkeit (WLD)H₂, He, CO₂ als HauptkomponenteExtraktivEinfach, unspezifisch
    Chemolumineszenz (CLD)NO, NO₂, NOₓExtraktivSpezifisch fĂŒr Stickoxide, EmissionsĂŒberwachung
    UV-PhotometrieSO₂, NO, NH₃, H₂SExtraktiv oder in-situSelektiv im UV-Bereich

    Die Messprinzipien im Detail

    NDIR — Nichtdispersiver Infrarotdetektor

    Messprinzip: Infrarotlicht wird durch das Messgas geleitet. Jedes GasmolekĂŒl absorbiert Infrarotstrahlung bei charakteristischen WellenlĂ€ngen. Die AbschwĂ€chung des Lichts ist proportional zur Konzentration der Zielkomponente.

    StĂ€rken: Robust, kostengĂŒnstig, bewĂ€hrt ĂŒber Jahrzehnte, fĂŒr viele Industriegase geeignet, gute LangzeitstabilitĂ€t, weitgehend wartungsarm.

    Grenzen: Querempfindlichkeiten durch spektrale Überlappung — CO₂ stört bei CO-Messung, H₂O stört bei vielen Komponenten. Probenaufbereitung (KĂŒhlung, Filterung, Trocknung) ist in der Regel erforderlich.

    Typische Anwendungen:

    • CO, CO₂ in Verbrennungsabgasen und Rauchgasen
    • CH₄ in Biogas- und Erdgasanlagen
    • SO₂, NO in EmissionsĂŒberwachungssystemen (CEMS)
    • CO₂ in Fermentationsprozessen

    TDLS — Tunable Diode Laser Spectroscopy

    Messprinzip: Ein durchstimmbarer Diodenlaser sendet Laserlicht exakt auf eine charakteristische Absorptionslinie des ZielmolekĂŒls. Da jedes Gas einzigartige Absorptionslinien besitzt, ist die SelektivitĂ€t extrem hoch. Die Messung erfolgt in-situ — der Laserstrahl durchquert den Prozessgasstrom direkt im Rohr oder Kanal, ohne Probenentnahme.

    StĂ€rken: Höchste SelektivitĂ€t unter den optischen Methoden, kein Probengas, keine Probenaufbereitung, schnelle Antwortzeit, integrierte Eigendiagnose, wartungsarm, fĂŒr raueste Prozessumgebungen geeignet.

    Grenzen: Stark partikelbeladene Medien können den Laserstrahl schwĂ€chen. Höhere Investitionskosten. FĂŒr flĂŒssige Medien nicht geeignet. DruckabhĂ€ngigkeit der Absorptionslinienbreite muss bei der Auslegung berĂŒcksichtigt werden.

    Typische Anwendungen:

    • O₂ in Inertisierungssystemen und Explosionsschutz
    • H₂O (Taupunkt) in Erdgas- und Synthesegasanlagen
    • NH₃ in DĂŒngemittelproduktion und SCR-Anlagen
    • CO in VerbrennungsĂŒberwachung und Sicherheitsanwendungen
    • HF, HCl in der Petrochemie und Chlorchemie

    Paramagnetischer Sauerstoffsensor

    Messprinzip: Sauerstoff ist paramagnetisch — er wird von Magnetfeldern angezogen. Andere Gase sind im Wesentlichen diamagnetisch. Diese physikalische Eigenschaft wird genutzt, um O₂ selektiv und ohne spektroskopische Methoden zu messen.

    StĂ€rken: Sehr spezifisch fĂŒr O₂, bewĂ€hrt, gute LangzeitstabilitĂ€t, breiter Messbereich (ppm bis %).

    Grenzen: Online-Messprinzip — erfordert Probenaufbereitung (Filterung, KĂŒhlung, Druckregelung). Querempfindlichkeit gegenĂŒber NO und NO₂, die ebenfalls paramagnetisch sind. Nicht fĂŒr In-situ-Messung geeignet.

    Typische Anwendungen:

    • O₂ in Inertisierungskreisen (redundant zu TDLS)
    • Verbrennungsregelung
    • Sauerstoffreinheitskontrolle in Gastrennanlagen

    Zirkondioxid-Sauerstoffsensor (ZrO₂)

    Messprinzip: Eine keramische Zirkondioxid-Zelle erzeugt bei erhöhter Temperatur (ca. 650–850°C) eine elektrochemische Spannung, die proportional zum Sauerstoffpartialdruckunterschied zwischen Messgasseite und Referenzluftseite ist.

    StĂ€rken: Extrem schnelle Antwortzeit (Sekunden), direkte In-situ-Messung möglich, robust bei hohen Temperaturen, ideales Messprinzip fĂŒr Verbrennungsregelung.

    Grenzen: Benötigt Referenzluft oder Referenzgas. Querempfindlichkeit gegenĂŒber brennbaren Gasen (H₂, CO, CH₄), die O₂ an der SensoroberflĂ€che verbrauchen und zu Falschmessungen fĂŒhren. Nicht fĂŒr explosionsgefĂ€hrdete AtmosphĂ€ren geeignet ohne besondere AusfĂŒhrung.

    Typische Anwendungen:

    • Regelung von Verbrennungsprozessen in Kraftwerken und Industrieöfen
    • RauchgasĂŒberwachung
    • Sauerstoffkontrolle in WĂ€rmebehandlungsanlagen

    Flammenionisationsdetektor (FID)

    Messprinzip: Das Messgas wird in einer Wasserstoffflamme verbrannt. Dabei entstehen Ionen, die einen elektrischen Strom erzeugen. Die StĂ€rke des Stroms ist proportional zum Kohlenstoffgehalt der organischen Verbindungen — unabhĂ€ngig von deren Struktur.

    StĂ€rken: Sehr hohe Empfindlichkeit (ppb-Bereich), erfasst praktisch alle organischen Verbindungen als Summenparameter (THC), nahezu unempfindlich gegenĂŒber Wasser und den meisten anorganischen Gasen.

    Grenzen: Benötigt Wasserstoff als Brenngas. Keine Komponentenidentifizierung (nur Summenparameter). CO und CO₂ werden nicht erfasst. Erfordert sorgfĂ€ltige Probenaufbereitung.

    Typische Anwendungen:

    • Gesamt-Kohlenwasserstoff-Messung (THC) in der EmissionsĂŒberwachung (TA Luft, 17. BImSchV)
    • VOC-Messung in der Chemieindustrie und an Tanklagern
    • LeckageĂŒberwachung

    Prozess-Gaschromatographie (Prozess-GC)

    Messprinzip: Das Gasgemisch wird durch eine TrennsÀule geleitet. Verschiedene Komponenten wandern mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und werden zeitlich getrennt detektiert. Als Detektor dienen hÀufig WLD, FID oder massenspektrometrische Detektoren.

    StĂ€rken: Höchste SpezifitĂ€t — Einzelkomponenten in komplexen Gasgemischen identifizierbar und quantifizierbar. Multikomponentenmessung in einem Lauf. Industrietauglich und fĂŒr kontinuierlichen Betrieb optimiert.

    Grenzen: Diskontinuierliches Messprinzip — Zykluszeiten von Minuten bis zu einer Stunde. Hoher Investitions- und Wartungsaufwand. Erfordert Fachpersonal fĂŒr Methodenentwicklung.

    Typische Anwendungen:

    • Erdgas- und Synthesegasanalyse (Heizwert, Wobbe-Index)
    • Ethen-, Propen- und Produktreinheitskontrolle in der Petrochemie
    • Fermentationsgas-Analyse in der Biotechnologie
    • MultikomponentenĂŒberwachung in Raffinerieprozessen

    FTIR — Fourier-Transform-Infrarotspektroskopie

    Messprinzip: Ein Interferometer erzeugt ein breitbandiges Infrarotspektrum, das mit dem Messgas in Wechselwirkung tritt. Durch mathematische Transformation und Spektrenvergleich mit einer Bibliothek werden Komponenten identifiziert und quantifiziert.

    StÀrken: Simultane Mehrkomponentenmessung ohne Umbau, breites Komponentenspektrum, hohe FlexibilitÀt bei wechselnden Messaufgaben.

    Grenzen: Hohe KomplexitĂ€t in Kalibrierung und Wartung. H₂ und einatomige Gase (He, Ar, N₂, O₂) sind IR-inaktiv. Querempfindlichkeiten zwischen spektral Ă€hnlichen Komponenten erfordern aufwendige Matrixkalibrierung.

    Typische Anwendungen:

    • EmissionsĂŒberwachung mit vielen Komponenten simultan
    • ProzessĂŒberwachung bei wechselnden Bedingungen
    • Identifikation unbekannter Komponenten in Gasmischungen

    Massenspektrometrie (MS)

    Messprinzip: GasmolekĂŒle werden ionisiert, nach ihrem Masse-zu-LadungsverhĂ€ltnis (m/z) getrennt und detektiert. Jede Verbindung erzeugt ein charakteristisches Fragmentierungsmuster.

    StÀrken: Höchste Empfindlichkeit (sub-ppb-Bereich), simultane Multikomponentenmessung, Identifikation unbekannter Substanzen, sehr kurze Messzyklen möglich.

    Grenzen: Hoher Investitions- und Betriebsaufwand, Hochvakuumsystem erforderlich, anspruchsvolle Probenaufbereitung, Fachpersonal notwendig.

    Typische Anwendungen:

    • Reinheitskontrolle von Edelgasen und Halbleiterprozessgasen
    • Spurengasanalytik in der Pharmaindustrie
    • Echtzeit-ProzessĂŒberwachung in der Biotechnologie

    Anwendungsmatrix: Welches Messprinzip fĂŒr welche Aufgabe?

    Legende: ✅ Gut geeignet | ⚠ Bedingt geeignet | ❌ Nicht geeignet

    MessaufgabeNDIRTDLSPara-mag.ZrO₂FIDGCFTIRMS
    O₂-Überwachung Inertisierung❌✅✅⚠❌❌❌❌
    Verbrennungsregelung (O₂)❌✅⚠✅❌❌❌❌
    CO/CO₂ Rauchgas✅✅❌❌❌⚠✅⚠
    Gesamt-KW (THC/VOC)❌❌❌❌✅⚠⚠⚠
    NOₓ EmissionsĂŒberwachung✅⚠❌❌❌❌✅⚠
    SO₂ EmissionsĂŒberwachung✅❌❌❌❌❌✅⚠
    NH₃ Prozess/SCR⚠✅❌❌❌⚠✅⚠
    H₂O / Taupunkt Erdgas⚠✅❌❌❌⚠✅❌
    Erdgas / Heizwert❌❌❌❌❌✅⚠⚠
    Reinheitskontrolle Edelgase❌❌❌❌❌✅❌✅
    Multikomponent simultan❌❌❌❌❌✅✅✅
    H₂ Messung❌❌❌❌❌✅❌✅
    HF/HCl Spurenmessung❌✅❌❌❌⚠✅⚠
    SIL-relevante Sicherheitsmessung⚠✅✅⚠❌❌❌❌

    Hinweis: Die Matrix gibt eine erste Orientierung. Die endgĂŒltige Prinzipauswahl erfordert immer eine applikationsspezifische Betrachtung — insbesondere hinsichtlich Begleitkomponenten, Prozessbedingungen und regulatorischer Anforderungen.


    Entscheidungskriterien fĂŒr die Prinzipauswahl

    1. Zielkomponente und Konzentration

    Einkomponentenmessung im Prozentbereich: NDIR, Paramagnetisch, ZrO₂ — kostengĂŒnstig und robust. Spurenmessung im ppb-Bereich: TDLS, MS, FID — höhere Investition, höhere SpezifitĂ€t. Multikomponentenmessung: GC, FTIR, MS — je nach Anforderung an Zykluszeit und Budget.

    2. Messortstrategie: Inline vs. Online

    Inline (In-situ): Sensor misst direkt im Prozessraum — kein Probengas, keine Probenleitung. Schnellste Antwortzeit, geringste Fehlerquellen. Geeignet: TDLS, ZrO₂, bestimmte UV-Systeme.

    Online (Extraktiv): Probenaufbereitungsanlage entnimmt, kĂŒhlt, filtert und konditioniert das Messgas. Ermöglicht empfindlichere Analysatoren. Geeignet: NDIR, Paramagnetisch, FID, GC, MS, FTIR.

    KriteriumInlineOnline (extraktiv)
    AntwortzeitSehr schnell (Sekunden)Langsamer (Minuten)
    ProbenaufbereitungNicht erforderlichErforderlich
    FehlerquellenGeringHöher
    WartungsaufwandGeringerHöher
    Geeignete PrinzipienTDLS, ZrO₂, UVNDIR, GC, FID, MS, Paramagnetisch

    3. Messgasaufbereitung — ein oft unterschĂ€tzter Kostenfaktor

    KomponenteFunktionTypische Ausfallursache
    FilterpatroneStaubabscheidungVerstopfung, Bypassleckage
    ProbenkĂŒhler / PeltierkĂŒhlerFeuchteabscheidungKondensatanstauung
    MembranpumpeGastransportMembranverschleiß
    Beheizte ProbenleitungKondensationsverhinderungHeizungsausfall
    Durchflussmesser/-reglerKonstanter ProbengasstromDrift, Verstopfung

    Branchenspezifische Anwendungsschwerpunkte

    Chemische Industrie: Brenngasanalyse (Heizwert, Wobbe-Index), SynthesegasĂŒberwachung (H₂, CO, CO₂, CH₄), Inertisierungskontrolle (O₂), ReaktorĂŒberwachung, kontinuierliche EmissionsĂŒberwachung (CEMS). Besondere Herausforderung: Aggressive, korrosive oder toxische Prozessgase erfordern spezielle Materialauswahl und Probenaufbereitungskonzepte.

    Öl, Gas und Petrochemie: Heizwertmessung und Tarifabrechnung (Prozess-GC, Kalorimeter), GasqualitĂ€tskontrolle (GC), H₂S-Überwachung (elektrochemisch, UV), BTX-Messung (GC, FID), CEMS an Fackeln und Verbrennungsanlagen.

    Pharmazeutische Industrie: Reinheitskontrolle von Prozessgasen und Druckluft (O₂, CO₂, H₂O), Fermentationsgas-Analyse (O₂, CO₂, Ethan), Inertgas-Überwachung, CIP/SIP-ProzessĂŒberwachung.

    Energieerzeugung und Kraftwerke: Verbrennungsoptimierung (O₂, CO via ZrO₂ und NDIR), RauchgasĂŒberwachung CEMS (SO₂, NOₓ, CO, Staub), SCR-Ammoniakschlupfmessung (NH₃ via TDLS oder FTIR), Heizwertmessung Brenngas.

    Lebensmittel- und GetrĂ€nkeindustrie: CO₂-Reinheitskontrolle (NDIR, GC), Schutzgas-Überwachung in Verpackungslinien (O₂, CO₂), Fermentationsgas-Analyse in Brauereien, Ethanol-Dampfmessung.


    Normen und regulatorische Grundlagen

    Norm / RichtlinieInhalt
    EN 14181QualitĂ€tssicherung fĂŒr automatische Messeinrichtungen — QAL1, QAL2, QAL3, AST
    17. BImSchVAnforderungen an CEMS in der deutschen Großfeuerungsanlagenverordnung
    13. BImSchVEmissionsgrenzwerte fĂŒr Verbrennungsanlagen
    TA LuftTechnische Anleitung Luft — Emissionsanforderungen fĂŒr Industrieanlagen
    EU IEDEuropĂ€ischer Rahmen fĂŒr Industrieemissionen
    EN 15267Zertifizierung von Messeinrichtungen fĂŒr EmissionsĂŒberwachung
    ISO 10723Leistungsbewertung von Gasanalysesystemen
    NAMUR NE 107SelbstĂŒberwachung und Diagnose von FeldgerĂ€ten
    ATEX-Richtlinie / IEC 60079Anforderungen an GerÀte in explosionsgefÀhrdeten Bereichen

    F&A — HĂ€ufig gestellte Fragen

    Was ist der Unterschied zwischen inline und online in der Gasanalytik?
    Inline (In-situ) bedeutet, der Sensor misst direkt im Prozessgasstrom — ohne Probenentnahme. Online (extraktiv) bedeutet, eine Probe wird entnommen, aufbereitet und dem Analysator zugefĂŒhrt. Inline ist schneller und hat weniger Fehlerquellen. Online ermöglicht den Einsatz empfindlicherer Analysatoren und ist bei aggressiven oder kondensierenden Medien oft die einzige praktikable Lösung.

    Warum ist TDLS zunehmend die erste Wahl fĂŒr Sicherheitsmessungen?
    TDLS misst inline, ohne Probenaufbereitung und ohne Verbrauchsstoffe. Durch die hohe SelektivitĂ€t und die integrierten Eigendiagnosefunktionen sind unerkannte Fehler seltener als bei anderen Messprinzipien. Das macht TDLS zu einem zunehmend akzeptierten Messprinzip fĂŒr SIL-relevante Anwendungen.

    Wann ist eine Prozess-GC die richtige Wahl?
    Immer dann, wenn Einzelkomponenten in komplexen Gasgemischen spezifisch und quantitativ erfasst werden mĂŒssen — und wenn eine Zykluszeit von Minuten akzeptabel ist. Typisch: Heizwertmessung, Synthesegasanalyse, Reinheitskontrolle in der Petrochemie.

    Was ist CEMS und welche Normen gelten?
    CEMS steht fĂŒr Continuous Emission Monitoring System — ein System zur kontinuierlichen Überwachung von Schadstoffemissionen aus Industrieanlagen. In Deutschland und der EU gelten EN 14181 (QualitĂ€tssicherung), EN 15267 (Zertifizierung) sowie anlagenspezifische Verordnungen wie die 17. BImSchV.

    Warum ist die Probenaufbereitung so kritisch?
    Das Messergebnis eines extraktiven Analysators ist nur so zuverlĂ€ssig wie die Probenaufbereitung. Filter, KĂŒhler, Pumpen und Leitungen können das Messgas verĂ€ndern — durch Kondensation, Reaktion mit Leitungswerkstoffen oder Druckverluste. In SIL-Anwendungen muss das gesamte Probennahmesystem in die Sicherheitsbetrachtung einbezogen werden.

    Welche Messprinzipien sind fĂŒr explosionsgefĂ€hrdete Bereiche (ATEX) geeignet?
    GrundsĂ€tzlich alle — wenn sie in einer entsprechend zertifizierten AusfĂŒhrung (Ex-Schutz nach IEC 60079) eingesetzt werden. In-situ-Messprinzipien wie TDLS und ZrO₂ haben dabei den Vorteil, dass die Elektronik außerhalb der Ex-Zone platziert werden kann.

    Was bedeutet QAL1 nach EN 14181?
    QAL1 (Quality Assurance Level 1) ist die Zertifizierung, dass ein MessgerĂ€t fĂŒr die kontinuierliche EmissionsĂŒberwachung nach europĂ€ischen Standards geeignet ist. Die Zertifizierung wird durch akkreditierte PrĂŒfstellen (z.B. TÜV, BG RCI) durchgefĂŒhrt und ist Voraussetzung fĂŒr den genehmigungskonformen Betrieb von CEMS-Anlagen in der EU.


    Was dieser Artikel bewusst nicht behandelt

    Spezialverfahren fĂŒr Hochreinst- und Spurengasanalytik

    FĂŒr Anwendungen im ppb- bis ppt-Bereich existieren Messprinzipien die in diesem Überblicksartikel nur am Rande erscheinen: CRDS (Cavity Ring-Down Spectroscopy), QCL (Quantum Cascade Laser), PAS (Photoakustische Spektroskopie), IMS (IonenmobilitĂ€tsspektrometrie).

    Diese Verfahren werden in einem separaten Analytic Journal Artikel behandelt: "Spezialverfahren der Gasanalytik — Spurenmessung und Hochreinst-Anwendungen" (in Vorbereitung)


    Mobile und stationÀre Gaswarnsysteme

    Gaswarnsysteme folgen einer eigenen Auswahllogik: Reaktionszeit, Robustheit, Zertifizierung (ATEX, EN 60079), Warnpegel nach TRGS 723/725 und die Abgrenzung zwischen Personen- und Prozessschutz stehen im Vordergrund.

    Diese Thematik wird in einem separaten Analytic Journal Artikel behandelt: "Mobile und stationĂ€re Gaswarnsysteme — Personenschutz, ATEX und Messprinzipien" (in Vorbereitung)


    Fazit

    Gasanalytik in der Prozessindustrie ist keine Frage eines einzelnen Messprinzips — sondern eine AbwĂ€gung zwischen Zielkomponente, Prozessbedingungen, Messstrategie, regulatorischen Anforderungen und Wirtschaftlichkeit. Die Anwendungsmatrix in diesem Artikel bietet eine erste Orientierung; die endgĂŒltige Entscheidung erfordert immer eine applikationsspezifische Betrachtung.

    Drei Entwicklungen prĂ€gen die Gasanalytik der kommenden Jahre: Die In-situ-Messung gewinnt weiter an Bedeutung — TDLS und verwandte Lasertechnologien verdrĂ€ngen in immer mehr Anwendungen extraktive Systeme. Der Druck durch regulatorische VerschĂ€rfung wĂ€chst — strengere Emissionsgrenzwerte erhöhen die Anforderungen an CEMS-Systeme. Und DatenqualitĂ€t wird zum Differenzierungsmerkmal — Analysatoren mit integrierter Eigendiagnose (NAMUR NE 107) und nachvollziehbarer Kalibrierhistorie sind nicht mehr optional.


    Analytic Journal — Das Portal der Prozessanalytik
    Dusko Kadijevic | DK Consulting | Publisher Analytic Journal | analyticjournal.de | +491733129816
    Verfasst Mai 2026. Alle Inhalte in eigenen Worten — keine Reproduktion aus Normen oder Herstellerunterlagen.


    © 2026 Analytic Journal / Dusko Kadijevic. Alle Rechte vorbehalten.
    Dieser Artikel ist urheberrechtlich geschĂŒtzt (§ 2 UrhG). KurzauszĂŒge mit Quellenangabe und aktivem Link auf analyticjournal.de sind zulĂ€ssig. VollstĂ€ndige oder weitgehende Reproduktion — auch in digitaler Form, durch KI-Systeme oder automatisierte Prozesse — ist ohne ausdrĂŒckliche schriftliche Genehmigung des Herausgebers nicht gestattet. Anfragen: info@analyticjournal.de


    WeiterfĂŒhrende Themen auf Analytic Journal:

    • SIL und PFD in der Prozessanalytik — Funktionale Sicherheit praktisch erklĂ€rt
    • TDLS — Tunable Diode Laser Spectroscopy in der Prozessgasanalytik
    • Spezialverfahren der Gasanalytik — Spurenmessung und Hochreinst-Anwendungen (in Vorbereitung)
    • Mobile und stationĂ€re Gaswarnsysteme — Personenschutz, ATEX und Messprinzipien (in Vorbereitung)
    • Kontinuierliche EmissionsĂŒberwachung (CEMS) — Aufbau, Normen, Messprinzipien
    • Inline, Online, At-line — Was bedeuten die Begriffe wirklich?
    • TOC-Bestimmung in Wasser — Messprinzip, Normen, Hersteller

    Redaktioneller Hinweis

    Dieser Artikel wurde nach bestem Wissen und Gewissen auf Basis öffentlich verfĂŒgbarer Fachinformationen, Normen und Herstellerangaben erstellt. Technische Spezifikationen können sich Ă€ndern — fĂŒr verbindliche Angaben konsultieren Sie aktuelle HerstellerdatenblĂ€tter und zustĂ€ndige Normungsgremien. Analytic Journal erstellt redaktionellen Content unabhĂ€ngig von Herstellern und Werbepartnern.

    Autor: Dusko Kadijevic — 20 Jahre Erfahrung als PAT-Anwender in der Prozessindustrie