Wasserstoff-Elektrolyse ist ein elektrochemisches Verfahren, das Wasser mithilfe von elektrischem Strom in Wasserstoff (H₂) und Sauerstoff (O₂) spaltet — die zentrale Herstellungsroute für grünen Wasserstoff in der Energiewirtschaft.
Zwei Verfahren dominieren die Praxis. PEM-Elektrolyse (Proton Exchange Membrane) bietet hohe Dynamik und eignet sich damit für volatile Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energien, benötigt dafür aber sehr hochreines Speisewasser — die Wasseraufbereitung ist bei PEM ein kritisches Subsystem, keine Nebensache.
Alkalische Elektrolyse (AEL) ist robuster im Aufbau und toleranter gegenüber der Wasserqualität, dafür träger im Lastwechsel und eher für Grundlastbetrieb geeignet. Beide Verfahren durchlaufen dieselben drei Hauptstufen: Wasseraufbereitung → Elektrolyse-Stack → Gasaufbereitung.
| Schritt | Beschreibung |
|---|---|
| Rohwasseraufbereitung | Vollentsalzung / Reinstwassererzeugung über Ionenaustausch, Umkehrosmose oder EDI. |
| Speisewassertank und Umwälzung | Bereitstellung und Kreislaufführung des Reinstwassers vor und nach dem Stack. |
| Druckerhöhung | Förderung des Speisewassers auf Betriebsdruck vor Eintritt in den Stack. |
| Stack | Elektrochemische Wasserspaltung über eine gasdichte Membran (PEM) oder im alkalischen Elektrolytkreislauf (AEL). |
| Gas-/Flüssigabscheidung | Getrennte Phasentrennung für Anodenseite (O₂) und Kathodenseite (H₂). |
| Trocknung | Taupunktabsenkung des H₂-Produktgasstroms auf die geforderte Produktspezifikation. |
| Verdichtung / Abgabe | Druckerhöhung auf Abgabedruck; messtechnische Freigabe vor Übergabe an Speicher oder Verbraucher. |
H₂-Reinheit je nach Anwendung (z. B. ISO 14687 bei Brennstoffzellennutzung), O₂-Gehalt im H₂-Produktstrom als sicherheitskritische Größe, Wasserqualität im Speisewasserkreislauf — bei PEM besonders kritisch — sowie der Edelgas- und Fremdgasanteil als Reinheitsrisiko.
| Messstelle | Was liegt vor | Priorität |
|---|---|---|
| Q1Reinstwasser nach Polishing | Wasserqualität nach Ionenaustausch / EDI (Leitfähigkeit, TOC, SiO₂) — Zielwert sehr niedrig | Hoch |
| Q2Speisewasser zum Stack | Leitfähigkeit, Temperatur, Durchfluss vor Stackeintritt | Mittel |
| Q3Stack-Diagnostik | Differenzdruck, Temperatur, Zellspannung | Mittel |
| Q4H₂-Rohgas vor Trocknung | O₂-Gehalt, Feuchte / Taupunkt vor der Aufbereitung | Hoch |
| Q5H₂-Endprodukt | Reinheit und Taupunkt am Abgabepunkt (z. B. ISO 14687) | Hoch |
| Q6O₂-Produktstrom | H₂-Gehalt im O₂-Strom (sicherheitskritische UEG-Überwachung) | Hoch |
| Q7Kühlwasser / Wärmemanagement | Temperatur und Druckdifferenz im Kühlkreislauf | Mittel |
Dieser Überblick zeigt, wo und was gemessen wird. Der vollständige Detailbericht enthält den PEM/AEL-Vergleich mit typischen Grenzwerten, eine Einordnung der Edelgas- und Fremdgasrisiken im Teillastbetrieb sowie einen Praxisfall aus der Chlor-Alkali-Elektrolyse. Kostenlos per E-Mail anfordern.
Was ist der Unterschied zwischen PEM- und alkalischer Elektrolyse?
PEM-Elektrolyse nutzt eine feste Protonenaustauschmembran und ermöglicht hohe Stromdichten und schnelle Lastwechsel — ideal für volatile Einspeisung aus Wind- oder Solarstrom. Der Nachteil: sie benötigt sehr hochreines Speisewasser (typisch <1 μS/cm), weil Verunreinigungen die Membran irreversibel schädigen. Alkalische Elektrolyse (AEL) arbeitet mit flüssigem KOH-Elektrolyt, ist robuster und toleranter gegenüber der Wasserqualität, reagiert aber langsamer auf Lastwechsel und eignet sich eher für stationären Grundlastbetrieb.
Warum ist die Wasseraufbereitung bei PEM ein kritisches Subsystem?
Bei PEM wirken Kationen wie Ca²⁺, Mg²⁺ oder Fe³⁺ als Membraningift: Sie verdrängen Protonen in der Ionenaustauschermatrix und erhöhen den ohmschen Widerstand irreversibel. TOC (org. Kohlenstoff) fördert biologisches Wachstum und Zersetzungsprodukte. Bereits geringste Leitfähigkeitsabweichungen können auf ein Aufbereitungsversagen hinweisen — deshalb ist Inline-Monitoring an Messstelle Q1 keine Komfortmessung, sondern eine sicherheits- und anlagenrelevante Schutzfunktion.
Welche Rolle spielt Sauerstoff im Wasserstoff-Produktstrom sicherheitstechnisch?
H₂ und O₂ bilden bei bestimmten Mischungsverhältnissen ein explosionsfähiges Gemisch. Die untere Explosionsgrenze (UEG) für O₂ im H₂-Strom liegt je nach Norm bei ca. 2–3 Vol.-%. Normen wie ISO 14687 (H₂ für Brennstoffzellen) begrenzen den O₂-Gehalt auf <5 ppm am Abgabepunkt. Die Messstelle Q4 (H₂-Rohgas vor Trocknung) ist daher eine Sicherheitsmessung: Ein erhöhter O₂-Wert signalisiert eine fehlerhafte Membran oder Gasdurchbruch und löst einen Sicherheitsabschaltkreis aus.